HCB


Nummer: 100041
Akronym: HCB
Titel (deutsch): Ausarbeiten von Risiko-Management-Optionen zur Minimierung der HCB-Belastung von österreichischem Ölkürbis (Cucurbita pepo var. styriaca)
Projektstart: 27.12.2005
Projektende: 16.01.2009
AuftragnehmerIn: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Projektleitung: Dr. Sonja Ecker
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Amt der Burgenländischen Landesregierung
Amt der Kärntner Landesregierung
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
Amt der Oberösterreichischen Landesregierung
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Wissenschaftszweig: NATURWISSENSCHAFTEN / Chemie / Lebensmittelchemie / NATURWISSENSCHAFTEN

Zielsetzung

Hexachlorbenzol (HCB) ist ein ubiquitär vorkommender Stoff, der hauptsächlich auf 3 Quellen zurückzuführen ist:
1. Landwirtschaft: HCB wurde als Pflanzenschutzmittel (Fungizid) zur Saatgutbeize gegen Zwergsteinbrand verwendet, HCB tritt bzw. trat auch als Verunreinigung verschiedener anderer Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe auf.
2. Neben- oder Abfallprodukt bei vielen anderen chlororganischen Synthesen (z.B. bei der Produktion von chlorierten Lösungsmitteln)
3. Zudem kann HCB bei Verbrennungsprozessen (z.B. Müllverbrennungsanlagen) entstehen.

Durch die hohe Persistenz und gute Lipidlöslichkeit kommt es zu Anreicherungen in der Nahrungskette, wobei relativ hohe Konzentrationen in tierischen Fetten aber insbesondere auch in Kürbiskernen (Cucurbita pepo var. styriaca) auftreten können.
Der bisherige österreichische Höchstwert für HCB in und auf Ölkürbis (0,25 mg/kg für Kürbiskerne zum direkten Verzehr und für Ölsaaten (bezogen auf den Fettgehalt)) wurde durch die EU-Richtlinie 2004/61/EG auf einen Wert von 0,02 mg/kg abgesenkt. Durch diesen neuen HCB-Höchstwert, der gemäß der zitierten Richtlinie in den Mitgliedstaaten ab 27.12.2004 anzuwenden ist, ergeben sich allerdings nach Vorliegen aktueller Daten bei einem erheblichen Anteil der österreichischen Produktion Höchstwertüberschreitungen (20,9% der im Zeitraum 1999 bis 2005 vorliegenden Untersuchungen an Kürbiskernen liegen über dem Grenzwert). Dies führte inzwischen bereits zu Handelsproblemen bzw. zur Zurückweisung von Warenlieferungen durch Handelspartner in anderen EU-Mitgliedstaaten.
Im Rahmen dieses Projekts sollen unter Beteiligung eines möglichst breiten Kreises an Projektpartnern konkrete wissenschaftliche Daten erarbeitet werden, die die Entscheidungsgrundlage für Risiko Management-Optionen liefern. Konkret werden folgende Ziele verfolgt:
• Gewährleistung der Sicherheit heimischer Kürbiskern-Produkte
• Vorarbeiten zur Festsetzung eines gesundheitlich unbedenklichen Höchstwertes
• Aufbau einer Datenbank zur effizienten Verknüpfung von verfügbaren Daten, um Risikofaktoren bei der Ölkürbisproduktion zu identifizieren
• Ausarbeiten eines Modells zur Abschätzung möglicher Rückstandsbelastungen an Kürbiskernen, ausgehend von Daten zur Rückstandssituation im Boden und vorliegender Daten an Kernen aus den letzten Jahren
• Ermittlung ergänzender Daten zu Absicherung des Prognosemodells
• Erarbeitung von Strategien zur Minimierung der Rückstandsbelastung bezüglich HCB bei Ölkürbis
• Klassifizierung von Anbauflächen bezüglich des HCB- Risikos
• Ausarbeitung von Kriterien zum Ausschließen von Anbauflächen, die nicht für Kürbisanbau geeignet erscheinen

Insgesamt sollen durch das Projekt die Voraussetzungen geschaffen werden, die Beanstandungsquote bezüglich HCB-Höchstwerte-Überschreitungen von derzeit ca. 20% auf unter 2,5 % zu senken.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Für die Landwirtschaft hat das Projekt insofern eine große Bedeutung, als dadurch die Produktionssicherheit erhöht wird und die die Absetzbarkeit lebensmittelrechtlich konformer Kürbiskernprodukte sichergestellt wird.
Umwelt: Kenntnisse über die HCB- Belastung von Böden in Kürbisanbaugebieten
Wirtschaft: Die Sicherungerstellung, dass die gesetzlichen Grenzwerte bei Ölkürbis nicht überschritten werden, sind sowohl für die verarbeitenden Betriebe als auch den Handel die Garantie, dass Kürbisprodukte im Inland und im Ausland als typisch österreichische Spezialitäten weiterhin ihren Absatzmarkt finden.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Hexachlorbenzol (HCB) ist eine persistente chlororganische Verbindung mit geringer Reaktivität, einer hohen Neigung zur Verflüchtigung und einer hohen Fettlöslichkeit und somit einem hohen Akkumulationspotential in Organismen. Auf Grund dieser Eigenschaften ist HCB heute eine ubiquitär vorkommende Substanz und als POP („persistent organic pollutant“) eingestuft. Einträge in die Umwelt erfolgten in der Vergangenheit vor allem durch die Verwendung von HCB als Fungizid in der Landwirtschaft und durch Emissionen aus der Industrie und aus Verbrennungsprozessen. Auf Grund seiner Eigenschaften wurde HCB in der Europäischen Gemeinschaft 1981 für landwirtschaftliche Verwendung verboten. Der Ölkürbis besitzt eine außergewöhnlich hohe Fähigkeit, HCB aus dem Boden und aus der Luft aufzunehmen, und in den Samen zu speichern. Der bisherige österreichische HCB-Höchstwert für Kürbiskerne zum direkten Verzehr und für Ölsaaten bezogen auf den Fettgehalt lag bei 0.25 mg/kg. Er wurde durch die EU-Richtlinie 2004/61/EG auf 0.02 mg/kg gesenkt. Dadurch ergaben sich bei einem erheblichen Anteil von österreichischen Kürbiskernproben Höchstwertüberschreitungen (ca. 21 %). Im Rahmen dieses Projekts wurden konkrete Maßnahmen erarbeitet, um den Anteil an Höchstwertüberschreitungen auf <2.5 % zu senken. Eine toxikologische Bewertung von HCB anhand von Literaturdaten ergab eine duldbare tägliche Aufnahmemenge (DTA) von 0.01 µg/kg Körpergewicht/Tag und eine akute Referenzdosis (ARfD) von 0.01 µg/kg Körpergewicht. Basierend auf diesen Werten wurde eine Risikobewertung für den Konsumenten durchgeführt, welche zu einer Änderung des EU-Höchstwertes auf 0.05 mg HCB/kg Kürbiskerne mit der Richtlinie 2007/56/EG führte. Insgesamt wurden 3161 schlagbezogene Kürbiskernproben und 205 Bodenproben auf HCB analysiert. Zusätzlich wurden in Fragebögen zu den Kürbiskernproben feldstückbezogene Informationen erhoben und mit einer Auswahl an Landwirten Interviews bezüglich der historischen Bewirtschaftung der Felder geführt. Durch die HCB-Analysen der Kernproben konnten "Hochrisiko-Flächen" identifiziert werden. Insgesamt wurde ca. ein Drittel der österreichischen Ölkürbis-Anbaufläche erfasst. Die Datenauswertung ergab zwei Prognosemodelle für die Wahrscheinlichkeit einer Höchstwertüberschreitung in den Kernen. Ein Modell beruht auf Informationen zu früherer Getreidevermehrung und Saatgutbeizung. Alleine durch Berücksichtigung dieses Modells bei Planung des Kürbisanbaues kann die Zahl an Höchstwertüberschreitungen in der Zukunft (>50 µg HCB/kg) deutlich gesenkt werden. Ein weiteres Prognosemodell gibt die Wahrscheinlichkeiten einer Höchstwertüberschreitung bei bekannten HCB-Bodenkonzentrationen an. Mit diesen beiden Modellen kann abgeschätzt werden, ob auf einem Feld ein Anbau von Kürbis im Hinblick auf einen HCB-Höchstwert in Kernen von 50 µg/kg als sinnvoll erscheint. Unterschiede in der HCB-Aufnahme bei verschiedenen Ölkürbissorten konnten nicht festgestellt werden. HCB-Emissionen aus anderen Quellen als dem Boden können heutzutage in Österreich als vernachlässigbar für die Kontamination von Ölkürbispflanzen angesehen werden. Insgesamt kann auf Grund der Ergebnisse des Projekts und bei Berücksichtigung der erarbeiteten Prognosemodelle im Ölkürbisbau in Zukunft mit weniger als 2 % an Höchstwertüberschreitungen bei Ölkürbiskernen gerechnet werden.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Ausarbeiten von Risiko-Management-Optionen zur Minimierung der HCB-Belastung von österreichischem Ölkürbis (Cucurbita pepo L. subsp. pepo var. styriaca Greb.) (9959.49 kB)
BerichtsautorInnen: Dr. Sonja Ecker, Mag. Angelika Steininger, DI Dr. Johannes Hofrichter
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns