BEAT


Nummer: 100975
Akronym: BEAT
Titel (deutsch): Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich
Projektstart: 01.10.2014
Projektende: 14.11.2018
AuftragnehmerIn: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Projektleitung: Dr. Andreas Baumgarten
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Wissenschaftszweig: NATURWISSENSCHAFTEN / Geologie, Mineralogie / Bodenkunde, -schutz / NATURWISSENSCHAFTEN

Zielsetzung

Der Bedarf an Ressourcen für wirtschaftliche Prozesse führt zu einer steten Inanspruchnahme von Flächen, die der Nahrungs- und Futtermittelproduktion dienen können. Der Boden sollte jedoch entsprechend seiner Funktionsfähigkeit optimal genutzt werden. Im Hinblick auf die Ernährungssicherung bedeutet dies, dass man jedenfalls die für die landwirtschaftliche Produktion besonders wertvollen Böden erhalten und vor anderen Nutzungen schützen sollte. Bisher fehlt dazu allerdings eine geeignete Bewertungsgrundlage.
Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die Lage der besonders wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen zu ermitteln, wobei auch die künftigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Produktivität und den Ertrag berücksichtigt werden. Um den Bodenbedarf zur Ernährungssicherung in Österreich abzuschätzen, erfolgt auch eine Gegenüberstellung mit dem prognostizierten Verbrauch an pflanzlichen und tierischen Produkten, um den Selbstversorgungsgrad zu darzustellen. Es wird geprüft, inwieweit die Erhaltung der wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen ausreicht, um eine Selbstversorgung Österreichs mit Nahrungs- und Futtermitteln zu gewährleisten.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Die zu erwartenden Forschungsergebnisse haben vor allem für die Raumordnung eine große Relevanz. Erstmals kann beurteilt werden, wie viel an Boden in Österreich für die landwirtschaftliche Produktion zu sichern ist, um die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Lebensmitteln garantieren zu können. Bisher fehlte der Raumordnung ein Lenkungs- und Argumentationsinstrument für den Schutz landwirtschaftlicher Böden. Nun könnte der Verbrauch landwirtschaftlicher Böden fundiert bewertet werden.
Auch für die Landwirtschaft ist es von Interesse, wie sich die Bodenreserven als deren Produktionsgrundlage zukünftig darstellen werden. Diese Erkenntnisse determinieren die zukünftige Flächennutzung und -bewirtschaftung und dienen letztendlich dem Bodenschutz. Darüber hinaus kann durch das geplante Projekt das Bodenbewusstsein in der Bevölkerung verbessert und somit die Ressource Boden nachhaltig erhalten werden.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Der Bedarf an Ressourcen für wirtschaftliche Prozesse führt in einer auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaft zu einer steten Inanspruchnahme von Flächen, die der Nahrungsmittelproduktion dienen können. Nach wie vor fehlt eine wissenschaftliche Grundlage, mit der beurteilt werden kann, wie viel an Boden in Österreich für die landwirtschaftliche Produktion erforderlich ist, um die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Lebensmitteln garantieren zu können. Ein Ziel dieses Projektes ist es, ein Lenkungs- und Argumentationsinstrument für den Schutz besonders wertvoller landwirtschaftlicher Produktionsflächen zu erarbeiten und den Verbrauch landwirtschaftlicher Böden fundiert zu bewerten. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den fruchtbarsten Böden Österreichs zu. Die Identifizierung dieser fruchtbarsten Böden erfolgte sowohl auf Basis der Daten der Bodenkartierung als auch der Finanzbodenschätzung. Darauf aufbauend und unter Verwendung regionaler Schwellenwerte (regionale Bodenklimazahl) wurden auf der Ebene der Kleinproduktionsgebiete wertvolle landwirtschaftliche Produktionsflächen vorgeschlagen. Parallel dazu sollten Ertragsmodellierungen in Acker- und Grünland sowohl die gegenwärtige als auch das zukünftige, sich durch ein veränderndes Klima ergebende Ertragspotenzial Österreichischer Böden erfassen. Eine durch den Klimawandel induzierte räumliche Verschiebung von landwirtschaftlichen Gunstlagen und die damit verbundene Verlagerung der wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen wurde über Bodenklimakurven abgeschätzt und dargestellt. Um am Ende eine Aussage hinsichtlich der gegenwärtig und zukünftig potentiell möglichen Ernährungssicherung in Österreich treffen zu können, erfolgte schließlich eine Gegenüberstellung von Produktionspotenzialen und Verbrauchsmengen. Mit dem Simulationsmodell SIMWASER/STOTRASIM wurde der Ertrag für die beiden Klimaszenarien ALADIN („moderat“) und CMIP5 („extrem“) berechnet. Aufgrund der unterschiedlichen Produktionsbedingungen werden die höchsten Ertragspotentiale in den Hauptproduktionsgebieten (HPG) Alpenvorland und Südöstliches Flach- und Hügelland, die geringsten im Nordöstlichen Flach- und Hügelland erreicht. Innerhalb der HPG unterscheiden sich die Ertragspotenziale vor allem durch die Unterschiede der Böden. Die Rechenergebnisse zeigen, dass durch eine prognostizierte moderate Klimaänderung (ALADIN) die Ertragspotenziale gering abnehmen, im Südöstlichen Flach- und Hügelland sowie im Kärntner Becken finden sich Bereiche, in denen sie gleichbleiben oder geringfügig zunehmen. Wird eine extreme Klimaänderung angenommen (CMIP5), verringern sich die Ertragspotenziale auf allen Ackerflächen. Eine sehr starke Abnahme tritt im HPG Nordöstliches Flach- und Hügelland auf. Betroffen sind sowohl Standorte mit geringer als auch hoher Wasserspeicherfähigkeit. Die Grünlanderträge in Österreich zeigen in Abhängigkeit des verwendeten Klimamodells eine mehr oder weniger starke Veränderung. Für das moderate Szenario ALADIN ergeben sich nur sehr geringe Effekte auf die Ertragsdynamik für die Periode 2036 bis 2065. Im Wesentlichen bleibt die räumliche Verteilung der aktuellen Grünlanderträge auch in Zukunft unverändert. Beim extremen Szenario CMIP5 fällt die Veränderung aufgrund des stärkeren Klimasignals für die zukünftige Periode 2036 bis 2065 wesentlich deutlicher aus. Neben massiven Ertragseinbußen im Flachland kommt es im Berggebiet zu einer deutlichen Ertragssteigerung, die hauptsächlich durch höhere Temperaturen bei ausreichender Wasserversorgung verursacht wird. Für den Vorschlag der wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen wurden all jene Böden ausgewählt, deren Acker- bzw. Grünlandzahl größer bzw. gleich der regionalen Bodenklimazahl (Summe aller Ertragsmesszahlen innerhalb eines Kleinproduktionsgebietes geteilt durch dessen Gesamtfläche) ist. Dadurch wurden die hochproduktiven Gebiete Österreichs erfasst und dargestellt. Die Untersuchung der klimawandelbedingten Auswirkungen auf die produktiven Flächen machte deutlich, dass diese Flächen gegenüber extremen Klimaveränderungen deutlich resilienter als andere sind. Die Identifikation ertragreicher Standorte erscheint daher für die Erhaltung der Produktivität bzw. der Ernährungssicherung von besonderer Bedeutung. Bei der Bilanzierung von Produktion und Verbrauch wurden sowohl reale Erträge als auch modellierte Ertragspotenziale unterschiedlicher Szenarien (d.h. optimale Wasser- und Nährstoffversorgung, keine Einschränkungen durch Brachen in der Fruchtfolge etc.) herangezogen. Für den Verbrauch wurden die Verzehrmengen von pflanzlichen Produkten sowohl direkt durch die Menschen als auch die Nutztiere (basierend auf der für die aktuelle Situation erforderlichen Futtermenge, einschließlich der exportierten Fleischmenge) herangezogen. Daraus wurde die für den gesamten menschlichen Nahrungskonsum erforderliche Menge an pflanzlicher Produktion abgeschätzt. Die Bilanzen zeigen, dass es in der realen Ertragssituation negative Salden für Ölsaaten gibt. Unter der Annahme einer extremen Klimaveränderung erscheint in der Periode 2036-2065 für den Großteil der Ackerkulturen eine autarke Produktion zur Ernährungssicherung in Österreich gefährdet. Wenn auch die Autarkie in einer globalisierten Welt weder realistisch ist noch angestrebt wird, dient dieser Ansatz viel mehr dazu, einen Anhaltspunkt zu liefern, wie weit die Inanspruchnahme fruchtbaren Bodens in Österreich schon fortgeschritten ist. Noch prekärer wird die Situation, wenn die Produktion nur auf die wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen beschränkt würde, die für etwa drei Viertel der landwirtschaftlichen Produktion in Österreich verantwortlich sind. Für die im Grünland produzierten Produkte stellt sich das Bild hingegen günstiger dar, da einerseits aufgrund der Topographie vieler Gebiete Österreichs große Teile als Grünland genutzt werden und somit viel Fläche für die Produktion von Grünfutter zur Verfügung steht. Andererseits können bei verändertem Klima vor allem in höheren Lagen zum Teil sogar Ertragszunahmen erwartet werden. Die erarbeiteten Ergebnisse untermauern die langjährige Forderung nach einer Trendumkehr des nahezu ungebremst anhaltenden Bodenverbrauchs und der Definition von Zielen mit konkreten Zahlen. Das auf Basis der Bodenqualität entwickelte Konzept der wertvollen landwirtschaftlichen Produktionsflächen könnte dabei ein wichtiges Instrument für die Raumplanung sein, um auch der Ernährungssicherung mehr Gewicht einzuräumen.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo BEAT – Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich - Endbericht (16769.49 kB)
BerichtsautorInnen: Hans-Peter Haslmayr, Andreas Baumgarten, Michael Schwarz, Sigbert Huber, Gundula Prokop, Katrin Sedy, Carmen Krammer, Erwin Murer, Hannes Pock, Christian Rodlauer, Andreas Schaumberger, Imran Nadeem, Herbert Formayer
logo BEAT – Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich - erweiterte Zusammenfassung (2773.76 kB)
BerichtsautorInnen: Hans-Peter Haslmayr, Andreas Baumgarten, Michael Schwarz, Sigbert Huber, Gundula Prokop, Katrin Sedy, Carmen Krammer, Erwin Murer, Hannes Pock, Christian Rodlauer, Andreas Schaumberger, Imran Nadeem, Herbert Formayer
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