NExt


Nummer: 101367
Akronym: NExt
Titel (deutsch): Entwicklung und Implementierung einer Zuchtwertschätzung für Nutzungsdauer und Exterieur für Schaf- und Ziegenrassen
Projektstart: 12.12.2018
Projektende: laufendes Projekt
AuftragnehmerIn: Universität für Bodenkultur Wien - Department für Nachhaltige Agrarsysteme
Projektleitung: PD DI Dr Birgit Fürst-Waltl
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Viehzucht, Tierproduktion / Tierzucht / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

Durch die Einführung der österreichweiten Datenbank SCHAZI im Jahr 2004 und die damit verbundene routinemäßige Datenerhebung und elektronische Erfassung wurden die Grundbedingungen dafür geschaffen, um Merkmale züchterisch verbessern zu können. Im Jahr 2017 wurden schließlich erstmals offizielle Zuchtwerte für Schaf- und Ziegenrassen veröffentlicht. Je nach Rasse- bzw. Nutzungsrichtung werden verschiedene Einzel- und Teilzuchtwerte aus den Merkmalskomplexen Milch, Fleisch und Fitness veröffentlicht, hinzu kommt auch noch der Gesamtzuchtwert.
Im derzeitigen Zuchtziel fehlt jedoch noch ein wesentliches Merkmal aus dem Komplex der Fitness- bzw. funktionalen Merkmale, die Nutzungsdauer. Für Milchschafe und Milchziegen soll die Schätzung der genetischen Parameter bzw. darauf aufbauend die Zuchtwertschätzung in Anlehnung an die Routinezuchtwertschätzung beim Rind erfolgen. Andere, derzeit in Entwicklung befindliche Ansätze (z.B. Lebensleistung, alternative Modelle zur ZWS funktionale Nutzungsdauer) werden aber in der Entscheidung mitberücksichtigt. Für Fleisch-, Berg- und Landschafrassen sowie für weitere Ziegenrassen müssen jedoch unterschiedliche Definitionen der leistungsbedingten Merzung erarbeitet werden.
Die Umsetzung der im vorangegangenen Projekt 100884 entwickelten Exterieurzuchtwertschätzung war auf Grund verschiedener Probleme bei den Daten bzw. der Datenstruktur nicht möglich. Daher entschieden die Verantwortlichen des ÖBSZ, eine lineare Beschreibung für die Rassen Gämsfärbige Gebirgsziege, Saanenziege, Tiroler Bergschaf, Merinoland und Jura einzuführen und deren Ergebnisse auch züchterisch zu nutzen.
Übergeordnetes Ziel des Forschungsprojektes ist daher die langfristige züchterische Verbesserung der österreichischen Schaf- und Ziegenrassen hinsichtlich der Nutzungsdauer sowie von relevanten Exterieurmerkmalen. Folgende Hypothesen werden u.a. untersucht:
- Die genetische Variabilität von Nutzungsdauer und Exterieurmerkmalen ist ausreichend um genetische Parameter schätzen und eine Zuchtwertschätzung durchführen zu können
- Der Gesamtzuchtwert als mathematische Definition des Zuchtziels kann bei Schaf- und Ziegenrassen durch Berücksichtigung der Nutzungsdauer deutlich verbessert werden
- Durch die Definition von adaptierten Teilindices und Gesamtzuchtwerten können Züchtern und Verbänden die Selektionsentscheidungen erleichtert werden
- Merkmale der linearen Beschreibung weisen eine höhere Objektivität gegenüber Merkmalen, die mit Wertnoten beschrieben wurden, auf. Sie eignen sich daher besser für die Zuchtwertschätzung und züchterische Entscheidungen bzw. können auch als Hilfsmerkmale für andere Merkmale genutzt werden.
- Durch die Berücksichtigung von Hilfsmerkmalen können die Sicherheiten anderer Zuchtwerte erhöht und dadurch Selektionsentscheidungen früher getroffen werden.

AP 1: Entwicklung einer Zuchtwertschätzung für Nutzungsdauer

Ziele in AP1 sind (1) die Festlegung der endgültigen Schätzmethode in Abhängigkeit der Spezies bzw. Nutzungsrichtung, (2) nach vorangegangem Testen von Umwelteffekten die Festlegung des jeweiligen Schätzmodells, (3) die Implementierung im Rahmen einer Routine Zuchtwertschätzung sowie Bereitstellung aller nötigen Programme, und (4) die Anpassung der erforderlichen Masken in der Datenbank SCHAZI bzw. SZ-Online.

AP 2: Einführung einer Linearen Beschreibung und einer darauf aufbauenden Zuchtwertschätzung für Milchziegen, Tiroler Bergschaf, Merinoland und Jura

Ziele in AP2 sind (1) die elektronische Erfassung der Daten der neu entwickelten linearen Beschreibung, (2) die genetische Analyse (nach Testung von Umwelt- und genetischen Effekten),(3) die Implementierung des endgültigen Modells für die jeweils gewählten Merkmale im Rahmen einer Routine Zuchtwertschätzung für beide Ziegen-Rassen, Gämsfärbige Gebirgsziege und Saanenziege, und die drei Schaf-Rassen, Tiroler Bergschaf, Merinoland und Jura, sowie Bereitstellung aller nötigen Programme und (4) Anpassung der erforderlichen Masken in der Datenbank SCHAZI bzw. SZ-Online.

AP 3: Schätzung der Korrelationen zu anderen Merkmalen (Methode Pfeiffer et al.)
Ziele in AP3sind die Schätzung der genetischen Korrelationen zwischen ND undlinear beschriebenen Exterieurmerkmalen und anderen Merkmalen, die im Gesamtzuchtwert berücksichtigt werden. Dies erfolgt mit Hilfe von de-regressierten Zuchtwerten oder im Falle der Verwendung des Programmpaketes Survival Kit für die Nutzungsdauer auf Basis von Yield Deviations.

AP 4 Definition Teil- und Gesamtzuchtwerte, Modellrechnungen
Ziel in AP4 ist die Entwicklung und Implementierung von adaptierten Teil- und Gesamtzuchtwerten für alle berücksichtigten Schaf- und Ziegenrassen. Ausgehend von wirtschaftlichen Gewichten, die in früheren Arbeiten geschätzt wurden (Projekte 1330 und 100884) werden Modellrechnungen mit verschiedenen alternativen Gewichtungen durchgeführt. Erkenntnisse aus dem Projekt OptiGene (100808) hinsichtlich der Berechnung von Gesamtzuchtwerten fließen ebenso ein wie Erfahrungen aus der Routinezuchtwertschätzung Rind hinsichtlich eines kombinierten Nutzungsdauer-Zuchtwerts (Berücksichtigung von Hilfsmerkmalen).

Bedeutung des Projekts für die Praxis

für die Landwirtschaft:
Zuchtwertschätzungen bilden einen wesentlichen Schritt in jedem Zuchtprogramm, da sie es ermöglichen, die genetisch besten Tiere für die Weiterzucht auszuwählen und damit Zuchtfortschritt erzielbar ist. Im Vergleich zur Rinderzucht besteht natürlich das Problem, dass künstliche Besamung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Daher sind die Sicherheiten insbesondere für funktionale Merkmale nicht sehr hoch. Dennoch stellen die geschätzten Zuchtwerte bei jeder Sicherheit den zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlichsten Wert dar und sind daher der reinen Selektion nach Absolutwerten vorzuziehen. Die Berücksichtigung der Nutzungsdauer als ein sehr bedeutendes Merkmal im Bereich der funktionalen Merkmale stellt einen weiteren Baustein in Richtung eines nachhaltigen Zuchtziels dar. Die lineare Beschreibung ermöglicht objektivere Beurteilungen des Exterieurs und ermöglicht auch die Verwendung ausgewählter Merkmale als Hilfsmerkmale für weitere merkmalskomplexe wie die Nutzungsdauer. Es wäre aber auch die Kombination von Zellzahl mit ausgewählten Eutermerkmalen denkbar. Für die Züchter und Organisationen sollen die neuen Einzelzuchtwerte aber auch die adaptierten Teil- und Gesamtzuchtwerte unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit eine wichtige Grundlage für den zukünftigen züchterischen und wirtschaftlichen Erfolg bieten.
Ethik/Tierschutz:
Die verantwortungsvolle Integration der Nutzungsdauer unterstützt Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere. Ebenso spielen ausgewählte Exterieurmerkmale wie das Fundament oder das Euter im Hinblick darauf eine entscheidende Rolle. Zuchtwerte basierend auf linear beschriebenen Merkmalen ermöglichen in höherem Maße Schwächen in einem Merkmal durch gezielte Anpaarungen auszugleichen.
Positionierung der österreichischen Schaf- und Ziegenzucht:
Bereits die Einführung der Routinezuchtwertschätzung im Jahr 2017 war ein bahnbrechender Schritt für die österreichische Schaf und Ziegenzucht. Die Einführung einer Nutzungsdauerzuchtwertschätzung sowie der linearen Beschreibung und einer darauf aufbauenden Zuchtwertschätzung ist ein weiteres wesentliches Element im Hinblick auf die Positionierung in der Schaf- und Ziegenzucht und wird dazu beitragen, dass die Sparte international wettbewerbsfähig bleibt.
Positionierung im wissenschaftlichen Bereich:
Insbesondere für die Nutzungsdauer liegen kaum wissenschaftliche Arbeiten bei Schaf- und Ziegenrassen vor. Die Ergebnisse werden daher auch von wissenschaftlichem Interesse auf nationaler und internationaler Ebene sein und tragen damit zu einer erhöhten Sichtbarkeit Österreichs im Bereich landwirtschaftlicher Forschung bei.

Zwischenbericht


Kurzfassung (deutsch)

Im Jahr 2017 wurden erstmals offizielle Zuchtwerte für Schaf- und Ziegenrassen veröffentlicht. Je nach Rasse- bzw. Nutzungsrichtung werden verschiedene Einzel- und Teilzuchtwerte aus den Merkmalskomplexen Milch, Fleisch und Fitness veröffentlicht, hinzu kommt auch noch der Gesamtzuchtwert. Im derzeitigen Zuchtziel fehlt jedoch noch ein wesentliches Merkmal aus dem Komplex der Fitness- bzw. funktionalen Merkmale, die Nutzungsdauer. Auch die Entwicklung einer Exterieurzuchtwertschätzung war auf Grund verschiedener Probleme bei den Daten bzw. der Datenstruktur bislang nicht möglich. Ziele dieses Projektes sind daher die Entwicklung einer Routinezuchtwertschätzung für die Nutzungsdauer für jene Rassen, für die bereits eine Zuchtwertschätzung durchgeführt wird, sowie die Entwicklung einer Exterieurzuchtwertschätzung für die Rassen Gämsfärbige Gebirgsziege, Saanenziege, Tiroler Bergschaf, Merinoland und Jura basierend auf linearen Beschreibungen. Im ersten Projektjahr lag der Fokus auf der Einführung und ersten Analysen der linearen Beschreibung bei den zuvor genannten Rassen. Dies beinhaltete auch die entsprechenden Schulungen sowie Programmierungen für die Eingabe bzw. Speicherung der Daten. Mit Stand 17.9.2019 waren in der Datenbank etwa 2500 Beschreibungen verfügbar, etwa die Hälfte davon entfällt auf die Saanenziege. Für diese konnte daher auch ein erster Testlauf einer genetischen Parameterschätzung durchgeführt werden. Die ersten geschätzten Heritabilitäten liegen für die Rahmenmerkmale zwischen 0,10 (Rippenwölbung) und 0,30 (Rumpftiefe), für die Form bei 0,03 (Beckenneigung) und 0,17 (Oberlinie), für das Fundament zwischen 0,05 (Fesselung hinten) und 0,18 (Fesselung vorne) sowie für Eutermerkmale zwischen 0,08 (Zentralband) und 0,37 (Hintereuteraufhängung). Basierend auf Literatur und Diskussionen mit WissenschafterInnen stehen hinsichtlich der Nutzungsdauer verschiedene Modellansätze zur Verfügung, die alternativ zur Survival Analyse in Frage kommen. Im nächsten Schritt werden die endgültigen Modelle in Abhängigkeit der Tierart bzw. Nutzungsrichtung getestet bzw. festgelegt.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Entwicklung und Implementierung einer Zuchtwertschätzung für Nutzungsdauer und Exterieur für Schaf- und Ziegenrassen - Zwischenbericht (pdf barrierefrei) (1975.31 kB)
BerichtsautorInnen: Fürst-Waltl Birgit; Fürst Christian
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