BPRACTICES


Nummer: 101232
Akronym: BPRACTICES
Titel (deutsch): ERA-Net SUSAN: Neue Indikatoren und Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa im Zeitalter von Aethina tumida
Projektstart: 28.07.2017
Projektende: 11.12.2020
AuftragnehmerIn: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Projektleitung: DI Dr. Alexandra Ribarits
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Viehzucht, Tierproduktion / Bienenkunde / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

The BPRACTICES project aims to develop new management practices (Good Beekeeping Practices - GBPs) adopting new clinical methods,
biomechanical and innovative biomolecular techniques respecting the natural behaviour of bees. The research activities will focus on
developing new biosensors from honey to monitor SHB presence and PCR techniques to diagnose in advance honeybee diseases (AFB, EFB,
SHB) from debris. Another goal will be to accelerate and to raise efficiency of the clinical inspection of the hives to detect SHB. At the apiary
level we will indicate a proper bee-friendly management (e.g. traps for SHB, honeybee queen-cages for varroa control, powder sugar
method to assess varroa infestation level) to monitor and control the honeybee diseases, protecting their health and avoiding the
application of chemical treatments guaranteeing quality and safety of hive products.
The innovations will be validated in the daily apiary activities and disseminated internationally in collaboration with the International
Federation of Beekeepers' Associations (Apimondia). Economical impact on beekeeping industry will be quantified.
Consumers will be aware of the positive environmental impact of beekeeping and the ecosystem services provided, thanks to a cutting-edge
traceability system using the QR-code/RFID technology.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Ausführungen dazu finden sich unter dem Punkt Ziele des Projektes (siehe oben), sowie im Full proposal (siehe Anhang) bzw. nachfolgenden Textauszügen:

The outputs of the project will be:
1. Good Beekeeping Practices (GBPs) guidelines, harmonized within partner countries in the project;
2. guidelines on innovative laboratory diagnostic methods, harmonized among project partners, with the collaboration of the European
Union Reference Laboratory for Bee Health (ANSES);
3. sustainable honeybee diseases control guidelines in respect of bee welfare and hive products quality;
4. an economic study concerning the impact of the innovative GBPs system application;
5. dissemination of results and technical assistance/training, that will benefit from the transnational participation of Apimondia (
http://apimondia.com/) and FAO TECA platform (http://teca.fao.org/) and the release of a free web-application to act as a dynamic
surveillance system on colony health status and a on-going training and up-skilling for beekeepers.

All the studies will be carried out considering the ethical aspect of refinement (methods that avoid suffering and improve animal welfare).

The BPRACTICES project will develop a transnational European new system for Bee Healthcare focused on: preclinical disease approach, prevention, surveillance and control adopting a sustainable low-environmental impact approach respecting the product's quality and consumer’s safety. Moreover, BPRACTICES include an innovative traceability system (QR Code/RFID based) applied for the first time throughout the entire hive production chain (from the hive to the jar) to the advantage of beekeepers and consumers. BPRACTICES will impact on: the economy pillar (Research Area 1) improving the productivity, resilience and competitiveness of European production from the hives; the environment pillar (Research Area 2) promoting a sustainable and environment-friendly bee management; the society and farmers’ pillar (Research Area 3) developing an innovative traceability system to share and disseminate innovative on-farm practices and enhance consumer acceptability and awareness of high-quality products coming from a sector respectful of animal welfare, able to improve
biodiversity and provision of ecosystem services.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Das ERA-NET SusAn Projekt BPRACTICES „Neue Indikatoren und Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa im Zeitalter von Aethina tumida“ bearbeitete in acht Arbeitspaketen (AP) folgende Themen: AP1: Varroose und Virosen; AP2: Amerikanische und Europäische Faulbrut; AP3: Nosema; AP4: Aethina tumida (Kleiner Bienenstockkäfer); AP5: Validierung; AP6: Wirtschaftliche Auswirkungen; AP7: Neues System zur Produkt-Rückverfolgbarkeit; AP8: Dissemination und Informationsaustausch. Die Bearbeitung der einzelnen Arbeitspakete erfolgte arbeitsteilig und durch eine jeweils unterschiedliche Anzahl von Projektpartnern. Die nachfolgende Kurzfassung berichtet über jene Arbeitspakte, an denen die AGES in führender Rolle (AP2: Leitung Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz) oder in beträchtlichem Umfang (AP 1, 4, 5 und 8) beteiligt war. AP2: Amerikanische Faulbrut (Paenibacillus larvae; AFB) und Europäische Faulbrut (Melissococcus plutonius; EFB) Diese beiden Krankheiten sind weit verbreitete, schädliche Brutkrankheiten der Honigbiene. Die AFB ist in der EU anzeigepflichtig. Die zur Vorbeugung, Diagnose und Kontrolle empfohlenen Maßnahmen der guten imkerlichen Praxis (Good Beekeeping Practice = GBP) wurden unter Einbindung des Imkersektors gesammelt, kategorisiert und von den Partnern bewertet. Für die als „obligatorisch“ bzw. „von hoher Relevanz“ gekennzeichneten GBPs wurde die Häufigkeit dieser Angaben über alle Partner berechnet und basierend auf dem Mittelwert in absteigender Reihung sortiert. So entstand eine Liste der am höchsten bewerteten Maßnahmen. Bei der Amerikanischen Faulbrut sind dies beispielsweise die Prüfung verdächtiger Brutzellen mit dem „Streichholztest“, die Labordiagnose, die rasche Sanierung klinisch erkrankter Völker, die Untersuchung von Futterkranz- oder Gemülleproben aus unauffälligen Völkern auf den Erreger, das Einschmelzen des Wabenbaues, die Sanierung im Kehrschwarmverfahren und die Durchführung umfangreicher Desinfektionsmaßnahmen. Sowohl für die Amerikanische als auch die Europäische Faulbrut wurde die jeweilige Liste an Maßnahmen veröffentlicht („Guidelines on sustainable management of honey bee diseases in Europe“; Broschüre; Ed. Giovanni Formato, 2020; http://www.izslt.it/bpractices/2020/03/17/480/). Nach einer Literaturrecherche bezüglich PCR-Methoden zum Nachweis der Erreger von AFB und EFB in unterschiedlichen Probenmatrizes aus dem Bienenvolk wurden ausgewählte Methoden hinsichtlich DNA-Extraktion, Spezifität und die Möglichkeit einer Quantifizierung geprüft. Die Testleistung wurde im Laborvergleich an einem Probenset geprüft. Die Testleistungsstudie zu AFB und EFB wurde von der AGES organisiert und ausgewertet. Im Ergebnis zeigten die RT-PCR-Protokolle für beide Krankheitserreger eine bessere Sensitivität als die herkömmlichen PCRs. Die Spezifität war für alle getesteten Protokolle hoch. Die Triplex real-time PCR nach Dainat et al. (2018) erwies sich als beste Methode zum Nachweis von P. larvae und M. plutonius. Daher wurde sie in den folgenden Feldstudien verwendet. Für die Studie zum vergleichenden Nachweis von P. larvae aus Futterkranz- und Gemülleproben stand Material von 121 Völkern zur Verfügung, das volkweise jeweils zum selben Zeitpunkt aus den Völkern entnommen worden war. Bei 82 % der Völker lieferten die Futterkranz- und die Gemülleprobe übereinstimmende Ergebnisse. Bei 18 % der Völker unterschieden sich die Ergebnisse der Futterkranzprobe von jener der Gemülleprobe, aus diesem Völkerpool wurden 13 subklinisch befallene Völker in 5 Imkereibetrieben ausgewählt, um unter Praxisbedingungen die Wirksamkeit der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen zur Eliminierung von P. larvae zu testen. Während die durchgeführten Sanierungsmaßnahmen bei zehn subklinisch infizierten Völkern erfolgreich waren, konnte P. larvae bei drei Völkern aus zwei Betrieben auch nach der Sanierung nachgewiesen werden. Weiters wurde die Methode von Dainat et al. (2018) zum Nachweis des Erregers der Europäischen Faulbrut (M. plutonius) an Gemülle- und Bienenproben verwendet. Dabei zeigte sich, dass die Zahl positiver Nachweise bei den Gemülleproben wesentlich höher war als bei den Bienenproben. Gemülleproben sollten daher bevorzugt verwendet werden, um unauffällige Bienenvölker auf ein mögliches Vorkommen von M. plutonius zu überprüfen. AP1: Varroose und Viren: Die Varroose, die durch die ektoparasitische Milbe Varroa destructor verursacht wird, ist eine der wichtigsten Bienenkrankheiten weltweit. Sie kann vor allem in gemäßigten Klimazonen zu massiven Verlusten von Honigbienenvölkern (Apis mellifera) führen. Um diese zu vermeiden, sind zeitgerecht wirksame Maßnahmen zur Befallsreduktion erforderlich. Da die Varroa als Vektor bei der Übertragung bestimmter Viren (z. B. Deformed Wing Virus, Akute Bienenparalyse Virus) eine wichtige Rolle spielt, ist eine effektive Varroakontrolle gleichzeitig der Schlüssel für die Prävention dadurch verursachter Viruserkrankungen bei Bienen. In einem zweijährigen Feldversuch wurden drei Behandlungsprotokolle (zeitlich befristetes Sperren der Königinnen plus Anwendung von Oxalsäure bei Brutfreiheit bzw. bei offener Brut; Einsatz von Ameisensäure ohne Sperren der Königinnen) zur Varroa-Befallsreduktion im Sommer unter Praxisbedingungen in Imkereibetrieben erprobt. Zusätzlich erfolgte bei allen drei Gruppen eine Restentmilbung im Spätherbst/Winter bei Brutfreiheit. Bewertungsparameter waren Wirksamkeit, Königinnenverluste, Überwinterungsverluste und der Anteil trachtreifer Völker im Frühjahr des Folgejahres. Die Ergebnisse zeigten, dass es nicht allen beteiligten Imkereibetrieben möglich war, die Vorgaben des Versuchsprotokolls vollständig umzusetzen. Gesamt betrachtet, zeigte die Anwendung von Ameisensäure nach Trachtschluss eine klare Überlegenheit gegenüber den beiden anderen Varianten mit einem befristeten Sperren der Königinnen und anschließender Oxalsäureanwendung in brutlosen Völkern bzw. Völkern mit offener Brut. Dies gilt sowohl für die Parameter Königinnen- und Völkerverluste, den Prozentsatz trachtreifer Völker im Frühjahr des Folgejahres als auch in Bezug auf den mit dem Sperren der Königinnen verbundenen Mehraufwand an Arbeitszeit. AP 4: Kleiner Bienenstockkäfer: Aethina tumida (engl. Small hive beetle; SHB) stammt ursprünglich aus Afrika und ist ein Parasit und Schädling an Honigbienen. Die Käfer und Larven fressen an Bienenbrut, Honig und Pollen. Dadurch verderben die im Volk vorhandenen Honigvorräte und der Wabenbau wird zerstört. Bei starkem Befall gehen die Völker zugrunde. In den letzten Jahrzehnten wurde der Käfer auf alle Kontinente verschleppt. In Europa gibt es seit September 2014 ein Vorkommen in Süditalien (Kalabrien), das bis heute nicht getilgt werden konnte. Im Rahmen des Projektes wurde an der AGES eine molekularbiologische Diagnosemethode (PCR) zum Nachweis von A. tumida etabliert, entsprechend ihrer Funktion als nationales Referenzlabor für Bienenkrankheiten. Auf Basis dieser etablierten Methode erfolgte über drei Jahre ein PCR-gestütztes SHB-Monitoring an Gemülleproben. Dazu wurden unter freiwilliger Mitwirkung von Imkerinnen und Imkern in einem „Citizen Scientists“-Ansatz Gemülleproben aus allen österreichischen Bundesländern eingesandt und untersucht. Das Ergebnis zeigte, dass in keiner der 172 eingesandten Sammelproben A. tumida nachweisbar war – weder in Form von sichtbaren Käfern, Käferteilen oder Larven noch in Form von DNA des Kleinen Bienenstockkäfers. Damit ist es im Einklang mit den amtlichen Daten, die keinen Befall in Österreich ausweisen. Im Rahmen dieses AP wurden amtliche Bienensachverständige aus ganz Österreich bezüglich Biologie und diagnostischen Merkmalen des SHB eingehend geschult und Gebiete mit erhöhtem Risiko für eine Einschleppung von A. tumida identifiziert. Mitarbeit in weiteren AP: Die AGES war an vier Ringversuchen beteiligt, in denen PCR-Methoden zum Erregernachweis getestet wurden: Paenibacillus larvae (AFB) und Melissococcus plutonius (EFB; Leitung: AGES), Nosema, Aethina tumida, Kodamaea ohmeri. Die federführenden Labors wurden von der AGES bei der statistischen Planung und Auswertung unterstützt. Dissemination und Informationsaustausch: 194 Bienensachverständige aus allen Bundesländern nahmen an den sechs 4-stündigen Schulungen zum Themenbereich „Kleiner Bienenstockkäfer“ teil. Von AGES-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden im Rahmen des Projektes 20 Vorträge gehalten, 20 Publikationen und 7 Poster mitgestaltet und allgemeine Informationen zum Projekt auf der AGES-Website präsentiert (https://www.ages.at/themen/umwelt/bienen/bienengesundheit/bpractices-neue-methoden-zur-voelkerfuehrung/).

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Neue Indikatoren und Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa im Zeitalter von Aethina tumida (12892.75 kB)
BerichtsautorInnen: Alexandra Ribarits; Hemma Köglberger; Josef Mayr; Katharina Etter; Linde Morawetz; Irmgard Derakhshifar; Richard Gottsberger; Antonia Griesbacher; Oliver Alber; Rudolf Moosbeckhofer
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