IRMA


Nummer: 101192
Akronym: IRMA
Titel (deutsch): Sozial nachhaltige Inklusion von Menschen mit Behinderung in Arbeitsprozesse von Gartenbaubetrieben - Machbarkeitsstudie
Projektstart: 31.07.2017
Projektende: laufendes Projekt
AuftragnehmerIn: Universität für Bodenkultur - Department für Nachhaltige Agrarsysteme
Projektleitung: Dipl.-Ing. Assoc. Prof. Dr. DI Elisabeth Quendler
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Gartenbau, Obstbau / Gartenbau / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

Ziel dieses Projekts ist die Bereitstellung erster wissenschaftlicher Grundlagen zur Machbarkeit sowie Erleichterung der Umsetzung des staatlichen Aktionsplans für die Kooperation spezieller Einrichtungen (=Beschäftigungstherapiewerkstätten) mit klein- und mittelständischen Unternehmen in der Landwirtschaft..
Das Projekt soll Menschen mit Behinderung (MmB), die derzeit in sozialen Einrichtungen im Rahmen der Beschäftigungstherapie betreut werden sowie tätig sind, ein Teilhaben an den beruflichen Aktivitäten der Gesellschaft durch überbetriebliche Kooperationen mit privaten Gartenbaubetrieben, ermöglichen. Ziel ist es einerseits durch den Abgleich von Fähigkeiten der MmB und der Anforderungen von privaten Gartenbaubetrieben Anforderungs- und Fähigkeitsprofile zu erstellen. Andererseits besteht es darin, die biomechanischen Risiken der Arbeitsplätze im Gartenbau zu identifizieren, um ein menschen- und behindertengerechtes Teilhaben am Arbeitsleben zu ermöglichen.
Außerdem wird das Bereitschaftsausmaß einer Kooperation, um hochwertige und leistbare landwirtschaftliche Produkte sozial nachhaltig zu produzieren, sowohl von Seiten der Gartenbaubetriebe als auch der Beschäftigungstherapiewerkstätten durch qualitative Befragung eruiert.
Zur Förderung einer zufriedenstellenden Kooperation ist ein gemeinsames Schulen von MmB, Betreuungspersonal, BetriebsleiterInnen, LFA-AusbildnerInnen und LFI-TrainerInnen sowie ein pilotartiges Implementieren in Betriebe notwendig.
Dieses wird pilotartig an einem ausgewählten Arbeitsprozess erprobt, evaluiert und für den Einsatz in der Praxis optimiert. Die Implementierung der Kooperation wird über sechs Monate an 2 bis 3 Pilotbetrieben evaluiert und die Beratungserkenntnisse fließen unmittelbar in die Schulungs- und Beratungsunterlagen ein. Die gewonnenen Ergebnisse werden beispielhaft auch als Blended Learning Materialien sowie in einer Empfehlungsbroschüre veröffentlicht, damit sie unmittelbar in der Praxis genutzt werden können. Auch handelt sich hierbei um einen innovativen Kooperationsansatz zur Produktion sozial nachhaltig produzierter, hochwertiger landwirtschaftlicher Produkte.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Für den sozialen Bereich ist das Projekt von besonderer Bedeutung, da es mit den Inhalten des aktuellen Regierungs- und Aktionsplans der Republik Österreich zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (2012-2020) konform ist. Es verfolgt das Ziel, den Weg der sozial nachhaltigen Inklusion von MmB von Beschäftigungstherapiewerkstätten in Gartenbaubetriebe zu ebnen. Dieses wird auch unter dem Credo „Ausbau des Integrationsinstrumentariums und Weiterführen der Verbesserung zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in das öffentliche Arbeitsleben, vor allem auch in Klein- und Mittelbetrieben“ als wesentlicher Bestandteil des aktuellen Regierungsprogrammes und Aktionsplans verfolgt (Republik Österreich, 23, 184, 262, BMASK, 2011, 2). Für MmB bedeutet dies eine wesentliche Bereicherung; ihre Möglichkeiten, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, einerseits über eine überbetriebliche Beschäftigungstherapie, andererseits über optimal ausgewählte oder adaptierte Arbeitsplätze in privatwirtschaftlichem Umfeld für „begünstigte MmB. Es kann davon ausgegangen werden, dass bei erfolgreicher Umsetzung der Projektergebnisse selbige mit einem überschaubaren Zusatzaufwand auf alle anderen landwirtschaftlichen Bereiche umgelegt werden können. Dies ergibt sich über das Vorliegen von Anforderungsprofilen, die für das Durchführen von Profilvergleichen von MmB einer anderen Behinderungsschwere verwendet werden können. Ebenso liefert das Projekt Ideen für die zukünftige Integration von alten Menschen in die Arbeitswelt, ein Anspruch, der der demografischen Entwicklung und dem notwendigen Umdenken im momentanen Sozialsystem entspricht.
Für die rund 1200 Gartenbaubetriebe in Österreich bieten das Projekt und daraus resultierende nachhaltige Kooperationen die Möglichkeit neue Betriebszweige zu etablieren sowie Arbeitsspitzen besser zu organisieren und über einen sozialen Mehrwert zu bewältigen. Es wird auch dem angekündigten Facharbeitermangel, der sich in der Knappheit an künftigen Arbeitskräften in diesem Bereich zeigt, vor allem durch die Inklusion von „begünstigten MmB“, entgegengewirkt (Statistik Austria, 2005, 16, 19). MitarbeiterInnen von Gartenbaubetrieben wird die Chance geboten, sich am Arbeitsplatz sozial zu engagieren und so verstärkt Teil einer inklusiven Gesellschaft zu sein.
Für den sozioökonomischen Bereich ermöglichen die Ergebnisse des Forschungsprojektes und deren Umsetzung Entlastungen der speziellen Einrichtungen in der Infrastrukturbereitstellung für MmB. Dies kann dadurch erreicht werden, dass die speziellen Einrichtungen künftig mit weniger eigener Infrastruktur für das Tätigsein von MmB auskommen. Es können erhebliche Einsparungen an der Infrastruktur und damit zusammenhängenden Personalkosten gemacht und MmB von Beschäftigungstherapiewerkstätten ein vielfältigeres Betätigungsfeld mit besserer Integration in die Arbeitswelt geboten werden.
Weiteres gehen Expertenschätzungen davon aus, wie zuvor bereits angeführt, dass etwa 20.000 Menschen in speziellen Einrichtungen (in der Beschäftigungstherapie) in Österreich untergebracht sind und etwa bis zu 20 % in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Mit diesem neuartigen Ansatz ist ein sozioökonomischer und sozialer Mehrwert für die heimische Wirtschaft mit internationaler Bedeutung zu erzielen.
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