Optizucht Sau Ferkel


Nummer: 101165
Akronym: Optizucht Sau Ferkel
Titel (deutsch): Entwicklung, Erfassung, Validierung und züchterische Optimierung ausgewählter funktionaler Merkmale bei Muttersauen und Ferkel in Österreich
Projektstart: 30.06.2017
Projektende: 26.08.2020
AuftragnehmerIn: Universität für Bodenkultur Wien
Projektleitung: Dipl.Ing. Bakk.tech. Christina Pfeiffer
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Verband österreichischer Schweinebauern
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Viehzucht, Tierproduktion / Tierzucht / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

Die übergeordneten Ziele des Forschungsprojektes sind die Beschreibung und Definition von maternalen Eigenschaften der österreichischen Zuchtsauen durch die ZüchterInnen, die Beurteilung und Veränderung der Bewegungsfähigkeit sowie des Exterieurs der Sauen zum Zeitpunkt der Selektion und nach dem Absetzen des ersten Wurfes, die Erhebung der Ferkelvitalität, die Schätzung genetischer Parameter betreffend Ferkelvitalität, die Erstellung eines Vitalitätsindexes, der langfristig in den Gesamtzuchtwert implementiert werden soll, die Durchführung von Zuchtplanungsrechnungen für die Mutterlinien, sowie die Genotypisierung der Zuchtsauen, damit langfristig genomisch optimierte Zuchtwerte, mit erhöhten Sicherheiten, geschätzt werden können.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Landwirtschaft - Gesellschaftliche Verantwortung und Positionierung der österreichischen Schweinezucht:
Zuchtziele mussten sich immer schon gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. Stand früher die große Nachfrage an tierischen Produkten im Vordergrund, so wird in letzter Zeit verstärkt die Berücksichtigung ethischer Aspekte von der Gesellschaft eingefordert. Die Verbraucher verlangen zunehmend die Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität. Dafür sind gesunde und vitale Tiere die Basis. Die Umsetzung dieser gesellschaftlichen Forderungen bedeutet nicht nur eine nationale Positionierung der österreichischen Schweinezucht gegenüber Konsument/Innen, sondern es werden auch Zuchttiere erzeugt, die unter zukünftigen Produktionsbedingungen (beeinflusst durch z.B. Konsumentensensibilität; Tierschutzgesetze; Veränderungen von Haltungssystemen; Tierschutzlabel) international wettbewerbsfähiger sein werden.
Forstwirtschaft/Wasserwirtschaft/Umwelt: -
Tierschutz und Ethik:
In den letzten Jahren sind immer wieder Tierschutzthemen insbesondere in Zusammenhang mit den Haltungsbedingungen (z.B. Kastenstand, Einstreu, Beschäftigungsmaterial) diskutiert worden. Seit nicht allzu langer Zeit wird vor allem aber ‚der Tierzucht‘ immer mehr Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit Tierschutzthemen (z.B. „Wegzüchtung“ von Normalverhalten, kurze Nutzungsdauer, überzogene Leistungsniveaus, gesundheitliche Probleme) geschenkt. Die Stichworte reichen dabei von ‚Zielkonflikten in der Tierzucht‘ bis hin zu ‚Qualzucht bei Nutztieren‘. Durch eine Überarbeitung der Zuchtziele und die gezielte Einführung von Merkmalen, die die Fitness und die damit in Zusammenhang stehende Tiergesundheit und das Tierwohl fördern, kann seitens der Zucht ein großer Beitrag zum Tierschutz geleistet werden.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Im Rahmen von OptiZucht wurden in einem partizipativen Ansatz neue potentielle Fitnessmerkmale gemeinsam mit den Züchterinnen und Züchtern definiert. Als indirektes Merkmal für das Nestbauverhalten der Sauen wurde der Zustand eines vor der Geburt am Kastenstand befestigten Jutesacks erhoben. Wie Beobachtungen von Hausschweinen in (semi)natürlicher Umgebung zeigen, wurde das Nestbauverhalten vor der Geburt durch die Domestikation nicht stark verändert. Allerdings kann die Sau ihrem natürlichen Bedürfnis nach Ausleben dieses Verhaltens nur dann folgen, wenn es die Umweltbedingungen erlauben, vor allem wenn ausreichend adäquates Nestbaumaterial zur Verfügung steht. Studien zeigten, dass Sauen, die vor der Geburt mehr Nestbauverhalten zeigten, insgesamt fürsorglicheres mütterliches Verhalten aufwiesen und damit auch die Ferkelsterblichkeit niedriger war. Um den Sauen in strohlosen Haltungssystemen im Kastenstand das Ausüben von Nestbauverhalten vor der Geburt zu ermöglichen, wurde im Kopfbereich der Sau ein Jutesack angebracht. Der Grad der Zerstörung durch die Benutzung dieses Jutesacks wurde anhand eines Scores von ein bis vier beurteilt, um Rückschlüsse auf das Nestbauverhalten ziehen zu können (Details siehe erster und zweiter Zwischenbericht). Auf zwei Betrieben wurde mittels Videoaufzeichnungen das vorgeburtliche Verhalten der Sauen aufgezeichnet und anschließend in Bezug auf Nestbauverhalten analysiert. Dafür wurden folgende, dem Nestbau zuzuordnende Verhaltensweisen beobachtet und statistisch ausgewertet (Dauer in Minuten): Wühlen, Beißen, Scharren. Gerichtet waren diese Verhaltensweisen jeweils gegen den Jutesack, aber auch gegen die Buchteneinrichtung. Die Auswertung erfolgte in drei Teilen: zunächst wurden die Verhaltensweisen deskriptiv ausgewertet. Im zweiten Teil wurde mittels Hauptkomponenten und Clusteranalyse eine Charakterisierung des Sauentyps vorgenommen und in einem dritten Schritt wurde anhand gemischter linearer Modelle untersucht, welche Effekte Einfluss auf die Dauer der gezeigten Verhaltensweisen sowie auf den Jutesackscore haben. Die Jutesäcke wurden von den Sauen im Kastenstand bearbeitet. Die insgesamt gezeigten Verhaltensweisen, welche dem Nestbau zugeordnet werden können, zeigten eine große Variabilität zwischen den Sauen. Bei nahezu allen Sauen konnten zwei vorgeburtliche Verhaltenspeaks beobachtet werden, während derer Sauen den Jutesack bzw. die Buchteneinrichtung verstärkt bearbeiteten. Es konnten auch moderate Zusammenhänge zwischen Jutesackscore und Verhaltensweisen gefunden werden. Die Jutesackscores unterschieden sich allerdings kaum zwischen den sechs Verhaltensweisen (Wühlen, Beißen Scharren von Jutesack bzw. Bucht), was der geringen Variabilität der Jutesackscores zuzuschreiben war.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Überarbeitete Version des Endberichtes des Forschungsprojektes 101165 (22547.4 kB)
BerichtsautorInnen: Pfeiffer C. und Schodl K.
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