LIBBIO


Nummer: 101215
Akronym: LIBBIO
Titel (deutsch): Möglichkeiten zum Anbau und der Verwertung der Andenlupine auf unterschiedlichen Standorten im humiden Klimagebiet Österreichs - EU-Projekt in HORIZON2020
Projektstart: 01.10.2016
Projektende: laufendes Projekt
AuftragnehmerIn: HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Dipl.-Ing. Waltraud HEIN
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Fagstjóri Evrópuverkefna/ EU Business Officer
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Ackerbau, Pflanzenzucht, Pflanzenschutz / Biologischer Landbau / Pflanzenproduktion / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

In diesem Forschungsprojekt geht es darum, das mögliche Ertragspotenzial der Andenlupine auf unterschiedlichen Standorten in Österreich auszuloten und diese unbekannte Kulturpflanze in bestehende Fruchtfolgen einzugliedern. Da die Lupine generell als eine Pflanze mit einer ausgeprägten Pfahlwurzel bekannt ist, welche dadurch sogar Bodenverdichtungen auflockern und auch Bodennährstoffe mobilisieren kann, ist sie besonders zur Auflockerung für einseitige Fruchtfolgen zu empfehlen. Der Anbau von Lupinen ist eher für schwächere Böden anzuraten, weil die Lupine auf Grund ihrer Knöllchenbakterien die eigene Stickstoffversorgung selbst bewerkstelligen kann. Als Vorfrucht hinterlässt die Lupine sogar Stickstoff, also bietet sich die Lupine als Kulturpflanze geradezu für den Einbau in unterschiedliche Fruchtfolgen an. Allerdings bevorzugt die Lupine eher saure Böden; ob das auch für die Andenlupine gilt, soll in diesem Projekt geklärt werden.
Zur Erfassung des Ertragspotenzials der Andenlupine sind pflanzenbauliche Versuche unerlässlich. Dabei sollen zuerst verschiedene Linien und Herkünfte von Andenlupinen auf unterschiedlichen Standorten miteinander verglichen werden. Ebenso soll die Andenlupine im Vergleich mit anderen Lupinenarten, wie die Blaue oder Weiße Süßlupine angebaut werden, um deren Anfälligkeit gegenüber der Anthraknose oder anderer Lupinenkrankheiten zu erfassen, natürlich auch um deren unterschiedliches Ertragsniveau zu erheben. Damit man die Ertragsleistung im Vergleich zu herkömmlichen Ackerkulturen feststellen kann, muss ebenso ein Anbau von Marktfrüchten erfolgen, wie z.B. Winterweizen, Körnermais oder Winterraps, wobei diese Ackerkulturen auf die jeweilige Anbauregion und Wirtschaftsweise abzustimmen sind.
Im Weiteren geht es aber auch darum, produktionstechnische Fragen zu klären wie unterschiedliche Saatstärken, unterschiedliche Saatzeitpunkte, Reihenabstand im Hinblick auf Hackarbeiten, Untersaat im Hinblick auf Verunkrautung und ähnliche Fragen.
Da es Winter- und Sommerformen von Andenlupinen gibt, wird sich für Österreich möglicherweise die Frage nach der ertragreicheren Form stellen, sofern die Winterformen unter durchschnittlichen Witterungsbedingungen den Winter überstehen und mit welchen Auswinterungsschäden dabei zu rechnen ist.
Was die Verwertung der Andenlupine betrifft, so geht es dabei in mehrere Richtungen. Zum einen soll die Andenlupine zur Tierfütterung eingesetzt werden, und zwar in Form von Körnern. Zur Gewinnung entsprechender Daten sollen Fütterungsversuche mit Schweinen durchgeführt werden.
Zum anderen soll die Andenlupine auch im Lebensmittelbereich Verwendung finden, diese Fragen werden aber im EU-Projekt durch Projektpartner aus anderen europäischen Ländern geklärt. Im Rahmen des nationalen Forschungsprojektes werden chemische Analysen der Faserbestandteile der Andenlupine durchgeführt, und zwar im chemischen Labor der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Da die Untersuchung der Faserfraktionen zum Standardprogramm für gewisse Futterproben zählt, werden Proben der Andenlupine demselben Analysenprocedere unterworfen.
Zusätzlich ist eine Verwertung der Andenlupine in Biogasanlagen geplant, und zwar soll sie dort Mais ersetzen, weil diese Kulturpflanze für entsprechende Erträge gute Böden und eine Menge an Pflanzennährstoffen benötigt. Der Anbau der Lupine ist eher für extensive Standorte gedacht, was einer zukünftigen Verknappung von intensiven Ackerflächen durchaus entgegenkommen würde. Ob sich diese Vermutungen bewahrheiten, soll mittels dieses Projektes geklärt werden.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Die Ergebnisse aus diesem Forschungsprojekt stehen den Landwirten zur Verfügung, bzw. werden diese auch über die Berater der Landwirtschaftskammern, Bioberater der einzelnen Bio-Vereine, Lehrer von landwirtschaftlichen Schulen und ähnlichen Einrichtungen weitergegeben. Grundsätzlich sind die Ergebnisse aus diesem Projekt sicher zukunftsweisend, weil bei einer Verknappung der Anbauflächen wahrscheinlich extensive Flächen eher zur Verfügung stehen werden als gute Böden. Daher hat das Projekt sowohl für den Fütterungsbereich als auch für die menschliche Ernährung große Bedeutung.

Zwischenbericht


Kurzfassung (deutsch)

In diesem Forschungsprojekt geht es darum, das mögliche Ertragspotenzial der Andenlupine auf unterschiedlichen Standorten in Österreich auszuloten und diese bisher unbekannte Kulturpflanze in die Fruchtfolge einzugliedern. Aufgrund der Tatsache, dass Lupinen über eine Pfahlwurzel verfügen, welche sogar Bodenverdichtungen auflockern und auch Bodennährstoffe mobilisieren kann, ist diese Pflanze besonders zur Auflockerung für einseitige Fruchtfolgen zu empfehlen. Grundsätzlich wird man Lupinen eher auf schwächeren Böden anbauen, weil diese Pflanzen als Leguminosen durch die Bildung von Knöllchenbakterien die eigene Stickstoffversorgung bewerkstelligen können. Als Vorfrucht hinterlässt die Lupine Stickstoff im Boden, wovon die nachfolgende Kultur profitieren kann. Normalerweise bevorzugen Lupinen eher saure Böden; ob das auch auf die Andenlupine zutrifft, sollte ebenfalls in diesem Projekt geklärt werden. Zur Erfassung des Ertragspotenzials der Andenlupine wurden jährlich Feldversuche durchgeführt, der begrenzende Faktor dabei war die Saatgutverfügbarkeit und die Keimrate. Während es im ersten Versuchsjahr 21 verschiedene Herkünfte waren, die im Feldversuch geprüft wurden, waren es im zweiten und dritten Jahr nur insgesamt 4 verschiedene Herkünfte der Andenlupine. Als Vergleichsarten dienten die Blaue und die Weiße Süßlupine, sowie die Ackerbohne. Als Standorte dienten die Außenstelle der HBLFA Raumberg-Gumpenstein in Lambach, wobei dort sowohl auf dem kalkhaltigen Schotterboden neben der Versuchsstation als auch auf dem kalkfreien Lehmboden am Marktfeld jeweils ein Feldversuch angelegt wurden. Am Standort Trautenfels im steirischen Ennstal wurden ebenfalls Versuche in den Jahren 2018 und 2019 durchgeführt. Im Jahr 2018 war die Saatgutqualität der einzelnen Herkünfte schlecht, weshalb die Keimraten nur zwischen 5 und 40 % lagen. Im Jahr 2019 war die Saatgutqualität sehr gut, was zu Keimraten bis zu 100 % führte. Zusätzlich zu einem Sortenversuch wurden noch Saatstärkenversuche sowie Bearbeitungsversuche mit der Hacke zur Verminderung der Verunkrautung durchgeführt, was auf den biologisch bewirtschafteten Standorten ein großes Problem darstellt. Während es im ersten Jahr Probleme mit dem Abwurf reifer Hülsen aufgrund einer Trockenperiode im Juli gab, konnten im zweiten Jahr die meisten Hülsen geerntet werden. Allerdings können bei der Andenlupine die reifen Hülsen nur händisch geerntet werden, weil jede Pflanze an der Spitze immer wieder neue Triebe hervorbringt, während am Haupttrieb die Hülsen bereits abreifen. So hat jede Pflanze gleichzeitig Knospen, Blüten, sich bildende Hülsen und reife Hülsen, was eine maschinelle Ernte unmöglich macht. Neben der händischen Ernte der Hülsen bei allen Herkünften wurden bei einer Herkunft (LIB223) in regelmäßigen Abständen auch die Biomasse-Erträge erhoben. LIB223 zeichnet sich nach einer längeren Jugendentwicklung durch enormes Wachstum bei Einzelpflanzen aus, besonders bei dünnen Beständen infolge geringer Keimraten. Teilweise lagen die Trockenmasse-Erträge in der Höhe von sehr guten Silomaiserträgen, allerdings lässt eine starke Verholzung der Stängel im Laufe der Vegetationsperiode die Verwertung als Silage eher unbrauchbar erscheinen. Da die Silierung von Andenlupinen alleine keinen Sinn macht, wurde die Andenlupine mit Grünland und Silomais gemischt. Auf Grund der relativ hohen Alkaloidgehalte der Andenlupinen können diese Silagen nicht im Tierversuch getestet werden. Kollegen aus dem EU-Projekt beschäftigen sich intensiv mit der Selektion von süßen Herkünften, welche sowohl in der menschlichen Ernährung als auch in der Tierfütterung Verwendung finden könnten. Entbitterte Körner von Andenlupinen werden versuchsweise schon für die Herstellung von Lebensmitteln erprobt; für die Kosmetikindustrie erweist sich die Andenlupine als sehr gut geeignet. Im Jahr 2020 sollen noch einmal Feldversuche an den oben beschriebenen Standorten durchgeführt werden, ebenfalls soll in einem Fütterungsversuch mit entbitterten Andenlupinenkörnern an Schweinen an der Außenstelle Thalheim bei Wels geprüft werden, wie diese im Vergleich zu anderen Körnerleguminosen von den Tieren angenommen werden.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Verwertung der Andenlupine auf unterschiedlichen Standorten im humiden Klimagebiet Österreichs (1883.5 kB)
BerichtsautorInnen: Hein, W; Waschl. H. und Ablinger, D.
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