Jungrind_Angus


Nummer: 101061
Akronym: Jungrind_Angus
Titel (deutsch): Leistungsvermögen und Fleischqualität von Angus-Jungrindern aus der Mutterkuh-Haltung
Projektstart: 01.04.2015
Projektende: 28.04.2021
AuftragnehmerIn: HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Dipl.-Ing. Dr. Georg Terler
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Viehzucht, Tierproduktion / Fleischhygiene / Fleischqualität / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

• Ermittlung der Mastleistung von reinrassigen Angus- und Fleckvieh×Angus-Jungrindern
• Vergleich der Schlachtleistung zwischen reinrassigen Angus- und Fleckvieh×Angus-Jungrindern
• Untersuchung der Fleischqualität von reinrassigen Angus- und Fleckvieh×Angus-Jungrindern
• Ermittlung von Unterschieden in Mastleistung, Schlachtleistung und Fleischqualität zwischen Kalbinnen und Ochsen dieser beiden Genotypen
• Bereitstellung von Informationen über die Eignung der Rasse Angus für die Mutterkuh-Haltung und Jungrind-Produktion
• Erarbeitung von Empfehlungen für die landwirtschaftliche Praxis
• Verbreitung der gewonnen Ergebnisse bei wissenschaftlichen Tagungen, in Fachzeitschriften und bei Vorträgen

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Die Mutterkuhhaltung steht durch die Veränderungen in der GAP vor einem Umbruch. Durch den Wegfall der gekoppelten Mutterkuhprämie fürchten viele Landwirte um ihre Existenz. Durch Optimierung der Produktion könnten etwaige Nachteile durch die GAP-Reform ausgeglichen werden. Eine Möglichkeit der Produktionsoptimierung ist die Verwendung von Rassen, die sich gut für die Mutterkuhhaltung eignen. Die Rasse Angus ist sehr robust und anpassungsfähig und daher gut für extensive Produktionsformen (wie z.B. die Mutterkuhhaltung) geeignet. In jedem Produktionssystem spielen jedoch auch Leistungen (z.B. Mast- und Schlachtleistung) eine wichtige Rolle. Durch das Projekt können wichtige Parameter der Mast- und Schlachtleistung sowie der Fleischqualität erhoben werden und somit die (ökonomische) Eignung der Rasse Angus für die Mutterkuhhaltung abgeschätzt werden.
In Zeiten zunehmender Verwaldung von Almen und Tourismusgebieten hat jedes Projekt zur Optimierung der Mutterkuhhaltung auch eine ökologische Bedeutung. Mutterkühe haben, im Vergleich zu Milchkühen, geringere Nährstoffansprüche und können somit den Sommer über auch auf Almen gehalten werden. Deshalb trägt dieses Produktionssystem auch maßgeblich zur Offenhaltung der Kulturlandschaft bei. Gerade die Rasse Angus ist aufgrund seiner Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Kleinwüchsigkeit für die Haltung auf Almen und Extensivweiden prädestiniert. Wenn sich die Rasse Angus als geeignet für die Mutterkuhhaltung erweist, könnte sie also verstärkt zum Zwecke der Offenhaltung der Kulturlandschaft eingesetzt werden.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Die Mutterkuhhaltung mit Jungrind-Erzeugung ist ein wichtiger Produktionszweig in der österreichischen Landwirtschaft. Jungrindfleisch wird sehr erfolgreich über Markenfleischprogramme bzw. auch über Direktvermarktung vermarktet. Ergebnisse zur Schlachtleistung und Fleischqualität von Jungrindern gibt es allerdings nur sehr begrenzt. Die Rasse Angus, die in der Schweiz vielfach in der Mutterkuhhaltung eingesetzt wird, könnte auch für österreichische Mutterkuhbetriebe interessant sein. Angus gilt als mittelgroße, frühreife, fruchtbare Fleischrasse, der auch bei extensiver Fütterung eine ausreichende Fleischigkeit und Fettabdeckung und sehr gute Fleischqualität (Marmorierung, Zartheit, Saftigkeit) nachgesagt wird. Um diese Thematik zu beleuchten, wurde in einem Kooperationsprojekt der HBLFA Raumberg-Gumpenstein mit der landwirtschaftlichen Fachschule Hohenlehen (3343 Hollenstein/Ybbs) ein Mutterkuhversuch mit Angus und Fleckvieh Mutterkühen durchgeführt, die jeweils mit Angus belegt wurden. Da es nicht umsetzbar war, die Jungrinder zu einem einheitlichen Schlachtzeitpunkt zu schlachten (Mastendgewicht 337 bis 500 kg; Schlachtalter 8,7 bis 15,3 Monate), können beobachtete Unterschiede zwischen Angus und Fleckvieh×Angus nur deskriptiv gegenübergestellt und mit Literaturergebnissen verglichen werden. Da nur sehr wenige weibliche Jungrinder geschlachtet wurden, wird in der Arbeit vorwiegend auf den Vergleich Angus Ochsen (♂) vs. Fleckvieh×Angus Ochsen eingegangen. Die ♂ Fleckvieh×Angus zeigten in den ersten 6 Lebensmonaten bzw. bis zu einem Gewicht von rund 200 kg höhere Zunahmen als die ♂ Angus, was mit der höheren Milchleistung der Fleckvieh Mutterkühe zusammenhängen dürfte. In den Schlachtleistungsmerkmalen Nettotageszunahme und Fleischigkeit zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen ♂ Angus und ♂ Fleckvieh×Angus. Zur beobachteten numerisch höheren Ausschlachtung der ♂ Fleckvieh×Angus gegenüber ♂ Angus ist auch die Literatur nicht eindeutig. ♂ Angus zeigte numerisch geringfügig höhere Werte für die Fettklasse (2,6 vs. 2,2), im Nierenfettanteil zeigte jedoch ♂ Fleckvieh×Angus höhere Werte. Aufgrund der nicht einheitlichen Schlachtbasis kann dies nicht weiter beurteilt werden. Der intramuskuläre Fett-(IMF-)-Gehalt lag sowohl bei ♂ Angus als auch bei ♂ FleckviehxAngus durchschnittlich bei 2,6 % und liegt somit leicht über den in einer Metaanalyse von DOMARADZKI et al (2017) zusammengefassten IMF-Gehalten für Jungrindfleisch, die zwischen 0,4 und 2,5 % IMF lagen. Zum Vergleich, bei österreichischem Rindfleisch wurde von FRICKH (2001) ein Optimalbereich von 2,5 bis 4,5 % IMF definiert. Das Jungrindfleisch der ♂ Fleckvieh×Angus und ♂ Angus wies nach 7-tägiger Reifung mit Scherkraftwerten (gegrillt und gekocht) von unter 3 kg eine ausgezeichnete Zartheit auf. Im Safthaltevermögen konnten zwischen den Rassen/Kreuzungen keine Unterschiede beobachtet werden. Wie von Rindfleisch bekannt, konnten auch bei Jungrindfleisch zwischen Englischem (M. longissimus) und Weißes Scherzel (M. semitendinosus) signifikante Unterschiede in Scherkraft und Wasserbindungsvermögen zugunsten des Englischen nachgewiesen werden. Der M. longissimus des Rostbratens enthielt – wie erwartet – signifikant mehr IMF als das Weiße Scherzel (2,8 vs. 1,8 %). Auch in einigen Fettsäuren (SFA, PUFA, Ω-3, Ω-6) zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den beiden Muskeln. Der M. longissimus im Beiried enthielt allerdings nur so viel IMF (2,0 %) wie das Weiße Scherzel, wofür keine Erklärung gefunden werden kann. Das Jungrindfleisch wies mit einem Verhältnis Ω-6 zu Ω-3 Fettsäuren von deutlich unter 1,5:1 ein ernährungsphysiologisch günstiges Verhältnis auf.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Leistungsvermögen und Fleischqualität von Angus und Fleckvieh×Angus aus Mutterkuh-Haltung – eine Feldstudie (2666.66 kB)
BerichtsautorInnen: Velik, M.,
Terler, G.,
Kitzer, R.,
Kaufmann, J.,
Häusler, J.
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