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Nummer100964
AkronymPro-SAU
Titel (deutsch)Forschungsprojekt Pro-SAU: Evaluierung von Abferkelbuchten mit der Möglichkeit zur temporären Fixierung der Sau - Bereich Erörterung der kritischen Lebensphase, Verlustanalysen und Ökonomie (Gesamtprojektleitung und Integration Praxisteil)
Titel (englisch)Evaluation of farrowing systems with the possibility of temporary crating of the sow
Projektstart15.12.2013
Projektende31.12.2017
AuftragnehmerInHBLFA Raumberg-Gumpenstein
WissenschaftlicheR ProjektleiterInDipl.-Ing. Birgit Heidinger
FinanzierungsstellenBundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
ZielstellungGemäß den Vorgaben der Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung vom 9. März 2012 hat das Forschungsprojekt „Verfahren zur Verbesserung sowie Adaptierung der bestehenden Abferkelbuchtsysteme im Sinne des Tierschutzes zu entwickeln. Insbesonders ist die Dauer der kritischen Lebensphase der Saugferkel zu untersuchen. Darüber hinaus sind auch die ökonomischen, arbeitstechnischen und ökologischen Auswirkungen der Abferkelsysteme unter Berücksichtigung der Entwicklung des europäischen Binnenmarktes zu berücksichtigen.“
Diesen Anforderungen bzw. Vorgaben soll im Rahmen des Projekts in Form der Entwicklung und Prüfung von praxistauglichen bzw. wettbewerbsfähigen Abferkelsystemen mit Abferkelstand zum Öffnen (in unterschiedlichen Ausführungsvarianten) Rechnung getragen werden.
Konkret sollen im dreijährigen Hauptversuch als Hauptziele die Definition der Dauer der „kritischen Lebensphase von Saugferkeln“ und der Vergleich 5 fünf verschiedenen Abferkelbuchtentypen mit zeitweiser Fixierungsmöglichkeit der Sau im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang sollen folgende Bereiche bzw. Kriterien zur Beurteilung der Produktion, Wirtschaftlichkeit und Tiergerechtheit Berücksichtigung finden:
- Biologische Leistungen, Produktionsdaten in Abhängigkeit von Buchtentyp und den definierten Fixierungsvarianten
- Tiergesundheit und Hygiene: Auftreten von haltungsbedingten Schäden und Verletzungen, Verschmutzung der Sauen und Buchten,
- Wohlbefinden von Sau und Ferkeln: Nestbauverhalten, Bewegungsmöglichkeit in der Bucht, Ferkelnestnutzung
- Ökonomische Aspekte: Kostenrechnung, Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit
- Arbeitswirtschaftliche Gesichtspunkte: Arbeitszeitbedarf, Handhabung, Bedienungsfreundlichkeit
- Stallklimatische Aufzeichnungen & Jahreszeitlicher Einfluss/Zusammenhang (Temperatur, Luftfeuchtigkeit)

Zur Evaluierung von Abferkelbuchtsystemen mit Stand zum Öffnen und zur Untersuchung der kritischen Lebensphase von Saugferkeln soll ein Großprojekt initiiert werden, welches sich aus drei Teilprojekten zusammensetzt:
- Projekt der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (HBLFA-Projekt), Konsortialführerschaft und Gesamtprojektleitung durch DI Birgit Heidinger
- Projekt der Landwirtschaftskammer Österreich zur „Weiterentwicklung bestehender Abferkelbuchten – praktischer Teil“ (LK-Projekt) unter der Leitung von DI Johann Stinglmayr
- Projekt der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni-Projekt) unter der Leitung von Ass.-Prof. Dr.med.vet. Johannes Baumgartner

Für alle drei Teilprojekte wird als „gemeinsames Dach“ eine Steuerungsgruppe eingesetzt, welche sich aus den drei Projektleitern und Vertretern von Seiten der Auftraggeber (BMGF und BMLFUW) zusammensetzt. Für die Projektkoordination wird die Abteilung B/11 für Tierschutz, Tierseuchen- und Zoonosenbekämpfung des BMGF verantwortlich zeichnen. Die Parameterdefinition und -auswahl sowie detaillierte Versuchs- und Arbeitsplanung wird von einem alle drei Teilprojekte überspannenden „Wissenschaftlichen Beirat“ vorgenommen. Diesem gehört die gesamte Steuerungsgruppe, projektinterne WissenschaftlerInnen (HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Vetmeduni Wien, Boku Wien, HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg, AGES Graz) und VertreterInnen der Landwirtschaftskammern bzw. des VLV und des VÖS sowie im Bedarfsfall externe FachexpertInnen an. Überdies wird für das gesamte Projekt eine gemeinsame „Arbeitsgruppe Ökonomie & Arbeitswirtschaft“ eingesetzt, welche die ökonomische und arbeitswirtschaftliche Beurteilung der Systeme durchführt sowie die Untersuchung der Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit vornimmt. Zwischen den einzelnen Teilprojekten sind ein intensiver Informationsaustausch und regelmäßige Koordinationssitzungen geplant.
Die Universität für Bodenkultur Wien (Dr.med.vet. Christine Leeb) wird ihre Expertise bei der Ausarbeitung und dem Abgleich der tierbezogenen Indikatoren sowie der Schulung des Erhebungspersonals einbringen.
Die statistische Beratung zur Versuchsplanung und die nachfolgende Zusammenführung der Ergebnisse hinsichtlich der Produktionsdaten und kritischen Lebensphase der Ferkel aus den Teilprojekten wird von der AGES Graz (DI Sabrina Kuchling, Abteilung Statistik und analytische Epidemiologie) vorgenommen.
Im Laufe der Untersuchungen ist es unabdingbar, auch Erfahrungswerte aus dem praktischen Einsatz anderer/ähnlicher Systeme auf nationaler und internationaler Ebene einzuholen, Erkenntnisse aus diversen abgeschlossenen und laufenden Projekten im In- und Ausland einfließen zu lassen sowie heimische Stallbaufirmen in die Entwicklungsarbeit und Umsetzung einzubinden.

Datenerhebung & Methoden Hauptversuchsphase:
- Aufzeichnung der Leistungsdaten bzw. Produktionskennzahlen sowie der medizinischen Behandlungsmaßnahmen und Erkrankungen der Tiere in Stallkarten und nachfolgender Übertrag in das Programm „Sauenplaner“ sowohl in den 3 Forschungsbetrieben als auch in den 6 Praxisbetrieben - Verhaltensbeobachtung (Erdrückungsereignisse, Gefahrensituationen für die Ferkel, Nestbauverhalten, Aufenthaltsorte bzw. Ferkelnestnutzung) mittels indirekter Tierbeobachtung über Videoaufzeichnungen bzw. Scan Sampling; quantitative und qualitative Datenerhebung in den 3 Forschungsbetrieben
- Beurteilung von haltungsbedingten Schäden und Verletzungen der Tiere mittels Adspektion in allen 9 Projektbetrieben in entsprechenden handschriftlichen Protokollen
- Erhebung der Verschmutzung von Sauen und Buchten in allen 9 Projektbetrieben in entsprechenden handschriftlichen Protokollen
- Erhebung und Berechnung arbeitswirtschaftlicher bzw. ökonomischer Kennzahlen und Zusammenhänge
- Sektion verendeter Ferkel aus den Forschungs- und Praxisbetrieben zur Abklärung der primären Todesursache der Ferkel durch den Leiter für Forschung und Innovation der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Dr.med.vet. Johann Gasteiner) bzw. TierärztInnen der Vetmeduni Wien (Schweineklinik).
WissenschaftszweigLAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Viehzucht, Tierproduktion / Tierhaltung / Schweinehaltung
Abschlussbericht
Kurzfassung (deutsch)
Die in Europa seit den 70er Jahren praktizierte Haltung von Sauen während der Geburts- und Säugeperiode im Kastenstand der Abferkelbucht war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand öffentlicher Diskussionen, welche in Österreich in einem amtswegigen Prüfungsverfahren der Volksanwaltschaft zur Klärung der Rechtskonformität der 1. Tierhaltungsverordnung mündeten. Ergebnis dieses Verfahrens war die mit 9. März 2012 veröffentlichte Änderung der 1. THVO (BGBl. II Nr. 61/2012). Diese sieht unter anderem vor, dass bis spätestens 1. Jänner 2033 alle in Österreich eingebauten Abferkelbuchten eine Mindestfläche von 5.5 m2 aufweisen müssen, dabei darf eine Mindestbreite der Bucht von 160 cm nicht unterschritten werden. Des Weiteren dürfen die Sauen nur mehr bis zum Ende der „kritischen Lebensphase“ der Ferkel zum Schutz dieser fixiert werden. Die Abferkelstände müssen sowohl in Quer- als auch Längsrichtung auf die Körpergröße der einzelnen Sauen einstellbar sein.
Die geänderten Rechtsvorschriften für die Haltung in Abferkelbuchten zogen zahlreiche Fragestellungen hinsichtlich der baulichen Ausführung, der Tiergerechtheit, der Wirtschaftlichkeit und der Produktionssicherheit nach sich, die im Zuge des vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) sowie Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) im Herbst 2013 beauftragten Projekts „Pro-SAU“ bearbeitet und analysiert werden sollten. Die Projektpartner (Landwirtschaftskammern, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Veterinärmedizinische Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien, AGES Graz, HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg, VÖS) haben sich auf eine Untergliederung des Gesamtprojekts in folgende drei Teile festgelegt:

o Projekt der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (HBLFA-Projekt), Konsortialführerschaft und Gesamtprojektleitung durch DI Birgit Heidinger
o Projekt der Landwirtschaftskammer Österreich zur „Weiterentwicklung bestehender Abferkelbuchten – praktischer Teil“ (LK-Projekt) unter der Leitung von DI Johann Stinglmayr
o Projekt der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni-Projekt) unter der Leitung von Ass.-Prof. Dr.med.vet. Johannes Baumgartner

Ziel von Pro-SAU war die wissenschaftliche Beurteilung von Abferkelsystemen mit temporärer Fixierungsmöglichkeit der Sau. Zu den Beurteilungskriterien zählten neben der Rechtskonformität auch Parameter des Wohlbefindens der Tiere, der Tierbetreuung sowie arbeitswirtschaftliche und ökonomische Aspekte. Eine zentrale Fragestellung war die Erörterung der im Gesetz genannten „kritischen Lebensphase von Saugferkeln“.
Dem HBLFA-Teilprojekt waren innerhalb des Gesamtprojekts folgende Aufgabenbereiche und Kompetenzen zugeordnet:
o Konsortialführerschaft und Leitung des Gesamtprojekts (DI Heidinger)
o Inhaltliche Koordination des Projekts sowie interne Kommunikation zwischen den Projektpartnern

o Erhebung von Datengrundlagen zu folgenden Themenbereichen in den Forschungsbetrieben Gießhübl und Hatzendorf:
- Produktionsdaten und biologische Leistungen
- Erdrückungsereignisse (Videoaufnahmen)
- Haltungsbedingte Schäden und Verletzungen an Sauen und Ferkeln
- Verschmutzung von Sauen und Buchten
- Ferkelverlustursachen anhand pathoanatomischer Untersuchungen (Sektionen) verendeter Ferkel
- Stallklimatische Bedingungen (Voruntersuchungen und begleitende Erhebungen)
- Tierbehandlungen (Sauen und Ferkel)

o Datenerhebungen zu haltungsbedingten Schäden und Verletzungen an Sauen und Ferkeln sowie der Tier- und Buchtenverschmutzung in drei von sechs Praxisbetrieben des LK-Projekts (drei Betriebe wurden durch die LK OÖ bzw. LK NÖ betreut)

o Datenhoheit, -aufbereitung und -auswertung zu folgenden Forschungsbereichen:
- Produktionsdaten bzw. biologische Leistungen in allen Projektbetrieben
- Erörterung der "kritischen Lebensphase von Saugferkeln" in den drei Forschungsbetrieben
- Videoanalyse von Erdrückungsereignissen aus den Betrieben Gießhübl und Hatzendorf
- Stallklima-Analysen und Dokumentation in allen beteiligten Projektbetrieben
- Sektionen der Ferkel aus den Betrieben Gießhübl und Hatzendorf
- Haltungsbedingte Schäden und Verletzungen in den Praxisbetrieben
- Verschmutzung von Sauen und Buchten

o Unterstützung der „AG Ökonomie“ bei Konzeption der arbeitswirtschaftlichen und ökonomischen Erhebungen
o Unterstützung der „AG Umsetzung und Beratung“ in allen Belangen der Kampagnisierung und des Wissenstransfers in die Praxis
o Unterstützung und fachliche Begleitung von MasterstudentInnen der BOKU bei Auswertungen zur Verschmutzung von Tieren und Buchten sowie zur Herzfrequenzvariabilität
o Koordination und Zusammenführung der Berichte aus den Teilprojekten sowie der AG Ökonomie und Arbeitswirtschaft in einen gemeinsamen Zwischen- sowie Abschlussbericht; dessen Endredaktion und Einreichung bei den Projektauftraggebern

Im dreijährigen Hauptversuch wurden fünf verschiedene Abferkelbuchtentypen untersucht. Drei dieser Buchtentypen entstammen einer Entwicklungsarbeit von österreichischen Partnern aus Wissenschaft, Beratung, Stallbaubranche und Praxis („LK-Buchten“). Es sind dies die Flügelbucht, die Knickbucht und die Trapezbucht. Zusätzlich wurden zwei zu Projektbeginn am europäischen Markt angebotene, ausländische Buchtentypen (SWAP-Bucht und Pro Dromi-Bucht) getestet.
Als Versuchsbetriebe für das Forschungsvorhaben standen neben drei Forschungsbetrieben (LFS Hatzendorf, Schweinezentrum Gießhübl GmbH und Schweinebetrieb Medau der Veterinärmedizinischen Universität Wien) auch sechs bäuerliche ferkelerzeugende Betriebe zur Verfügung. Die Einbindung von Praxisbetrieben in das gegenständliche Projekt war von besonderer Bedeutung, um die neu entwickelten Buchtensysteme auch unter praktischen Bedingungen testen und die entsprechenden Erfahrungen der LandwirtInnen erheben zu können. Dadurch konnten insgesamt robustere Ergebnisse gewonnen werden.

Die Untersuchung der kritischen Lebensphase der Saugferkel fand in den drei Forschungsbetrieben statt. Die Datenaufbereitung und -auswertung erfolgte im Rehmen des HBLFA-Teilprojekts. In den genannten fünf Buchtentypen wurden die Sauen in vier Fixierungsvarianten gehalten: In FV 3 waren die Sauen vom Ende der Geburt bis zum 4. Lebenstag der Ferkel im Abferkelstand fixiert, in FV 4 wurden sie am Tag vor dem errechneten Geburtstermin ebenfalls bis zum 4. Lebenstag der Ferkel fixiert und in FV 6 vom Tag vor dem errechneten Geburtstermin bis zum 6. Lebenstag der Ferkel. Als Kontrollvariante diente die FV 0, in welcher keine Fixierung der Sauen erfolgte. Die Buchtentypen und Fixierungsvarianten wurden hinsichtlich der Auswirkungen auf die Ferkelmortalität, das Tierverhalten und die haltungsbedingten Schäden miteinander verglichen. Ebenso wurden Effekte in Hinblick auf Arbeitswirtschaft und Ökonomie erörtert.
Eine Fixierung der Sau in der FV 4 stellt eine effektive Maßnahme zur Reduktion der Ferkelverluste dar. Die höchsten Verlustraten sind hingegen bei Anwendung der FV 0 zu erwarten. Die Fixierung der Sau nach Ende der Geburt (FV 3) führt zu signifikant geringeren Gesamtverlusten verglichen mit der FV 0 und zu tendenziell höheren Ferkelverlusten verglichen mit FV 4. Darüber hinaus werden bei Anwendung der Fixierungsvariante 3 aus arbeitswirtschaftlicher Sicht besondere Anforderungen an das Betreuungspersonal gestellt. In der Fixierungsvariante 6 sind gegenüber Variante 4 keine Vorteile bezüglich der Ferkelsterblichkeit festzustellen.
In den untersuchten Buchtensystemen und unter Anwendung der definierten Fixierungsvarianten haben die Wurfgröße und die Wurfzahl (Alter der Sau) einen signifikanten Einfluss auf die Ferkelmortalität.

Generell zieht die Fixierung der Sau eine qualitative und quantitative Einschränkung der Verhaltensmöglichkeiten für das Tier nach sich und hat einen signifikanten Einfluss auf die Aktivität der Sauen vor bzw. nach der Geburt. In der Nestbauphase zeigen im Stand eingesperrte Sauen vermehrt Positionswechsel. Das Nestbauverhalten dauert bei nicht-fixierten Sauen länger an und ist gekennzeichnet durch höhere Aktivität verglichen mit fixierten Tieren. Ebenso sind nicht-fixierte Sauen bei der Geburt aktiver und wechseln öfter die Liegeposition. Die Fixierungsvariante hat keinen Einfluss auf die Geburtsdauer.
Die Aktivität der Sauen ist am Tag nach der Geburt mit und ohne Fixierung gering und steigt danach deutlich an. Fixierte Sauen zeigen jeweils am Tag des Öffnens des Standes erhöhte Aktivität.
Die Fixierungsvariante hat keinen Einfluss auf die Tier- und Buchtenverschmutzung.
Bei Sauen und Ferkeln ist kein eindeutig gerichteter Effekt auf die beurteilten haltungsbedingten Schäden und Verletzungen festzustellen. In den Buchtentypen treten unterschiedliche haltungsbedingte Schäden und Verletzungen gehäuft auf. Diese stehen häufig in engem Zusammenhang mit der gewählten Bodenausführung und der jeweiligen Standkonstruktion. Einige haltungsbedingte Verletzungsrisiken konnten im Projektverlauf durch entsprechende Adaption der Buchten beseitigt werden.

Hinsichtlich der Systembeurteilung kann gesagt werden, dass die drei im Projekt entwickelten LK-Buchten rechtskonform ausgeführt sind. Rechtskonformität ist grundsätzlich auch für die ausländischen Buchtentypen SWAP und Pro Dromi gegeben. Diese Buchtentypen weisen jedoch Mängel in der Rutschfestigkeit des Bodens, der Verstellbarkeit der Abferkelstände und in Bezug auf Arbeitswirtschaft und Arbeitssicherheit auf.
Einer entsprechenden Stabilität und Verstellbarkeit des Abferkelstandes sowie einfach zu bedienenden Mechanismen zum Öffnen und Schließen des Standes kommt in Hinblick auf die Tiergerechtheit (Verletzungsträchtigkeit, Erdrückungsgefahr) sowie Arbeitswirtschaft besondere Bedeutung zu.
In allen untersuchten Buchtentypen ist die Bewegungsfreiheit der Muttersau gegeben, wobei bei einer Mindestfläche von 5.5 m2 das für jede LK-Bucht entsprechend definierte Längen- und Breitenverhältnis von entscheidender Relevanz in Hinblick auf die Funktionalität ist.
Im Durchschnitt der LK-Buchten sind die Aufzuchtleistungen (in den Fixierungsvarianten 4 und 6) mit jenen in konventionellen Abferkelbuchten – mit permanenter Fixierung der Sau – vergleichbar. Die aufgetretene Variabilität zwischen den einzelnen LK-Buchtentypen ist nicht signifikant.
Die Wirtschaftlichkeit der Ferkelproduktion in den neuartigen Abferkelbuchten mit Bewegungsmöglichkeit der Sau ist bei gleichen Produktionsleistungen dennoch durch deutlich höhere Investitionskosten und die Mehrkosten für Arbeit vermindert.

Das Projekt Pro-SAU war gekennzeichnet durch eine einzigartige und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Beratung, Stallbaubranche und Praxis. Durch eine breitabgestützte forschungsorientierte Auslegung des Projekts unter Beteiligung der Praxis konnten valide, robuste und vor allem praxisrelevante Daten generiert werden. Die Erkenntnisse sollen den auftraggebenden Ministerien (BMGF und BMLFUW) als Entscheidungsgrundlage für die notwendige Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung hinsichtlich der Haltung von Schweinen in Abferkelbuchten dienen. Ebenso bilden die Ergebnisse dieses Projekts die Basis für die erforderliche Begutachtung der neuen Abferkelbuchtensysteme durch die gesetzlich implementierte Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz.
Für das Fortbestehen einer wirtschaftlichen Ferkelproduktion in Österreich war es von besonderem Stellenwert, frühzeitig praxistaugliche Systemalternativen – in welchen sich die Sauen innerhalb definierter Zeiträume frei bewegen können – sowie geeignete Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um die Umstrukturierungen in der Branche bis spätestens 1. Jänner 2033 zu einem Abschluss bringen zu können.
Kurzfassung (englisch)
Since the 1970s, sows in Europe have been kept in farrowing crates during the periods of farrowing and lactation. In the past few years this has been a constant issue of public discussions, leading up to an official investigation by the “Volksanwaltschaft” (Austrian Ombudsman Board) with the aim to clarify if the 1.Tierhaltungsverordnung (1.THVO, animal husbandry regulation) complies with legal requirements. The result of this procedure was the amendment of the 1.THVO, published on 9th of March 2012 (BGBl. II Nr. 61/2012). The amendment requires, inter alia, that all farrowing pens on Austrian farms must provide at least 5.5 m² and a minimum width of at least 160 cm until the 1st of January 2033 at the latest. Moreover, it is allowed to crate the sows to protect their piglets only until the end of the “critical phase of life” of the piglets. The farrowing crates must be adjustable in width and length in accordance to the individual size of the sows.
The revised legislation for keeping sows in farrowing pens did lead to numerous questions regarding pen design, animal welfare, economic efficiency and occupational safety. These were addressed and investigated in the course of the project „Pro-SAU“, that was commissioned by the Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF, Federal Ministry for Health and Women) and the Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW, Federal Ministry of Agriculture, Forestry, Environment and Water Management) in autumn 2013. The project partners (Chambers of Agriculture, AREC Raumberg-Gumpenstein, University of Veterinary Medicine Vienna, University of Natural Resources and Life Sciences, AGES Graz, HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg, VÖS) agreed upon the structure of the overall project into the following three parts:

o Project of the HBLFA Raumberg-Gumpenstein (project AREC), consortium management and overall project management operated by DI Birgit Heidinger
o Project of the Chamber of Agriculture Austria with the aim of „Further development of existing farrowing pens – practical part“ (project LK) under the supervision of DI Johann Stinglmayr
o Project of the University of Veterinary Medicine Vienna (project Vetmeduni) under the supervision of Ass.-Prof. Dr.med.vet. Johannes Baumgartner

The aim of Pro-SAU was the scientific evaluation of farrowing systems with possibility of temporary crating of the sow. Apart from legal conformity, aspects of animal welfare and management as well as work efficiency and economy were included. The central objective of the project was the investigation of the „critical phase of life of suckling piglets“ mentioned in the law.
Within the overall project the fields of responsibility and the expertise of project AREC were as follows:
o Consortium management and overall project management (DI Heidinger)
o Coordination of content and internal communication between project partners

o Data collection regarding the following subject areas (research farms Gießhübl and Hatzendorf):
- Production parameters and biological performance
- Incidents of piglet crushing (video records)
- Assessment of animal based parameters in sows and piglets (injuries and damages)
- Sow and pen soiling
- Investigation of the cause of piglet losses by dissection of dead piglets
- Stable climate (preliminary investigation and accompanying data collection)
- Animal treatment (sows and piglets)

o Assessment of animal based parameters in sows and piglets (injuries and damages) as well as animal and pen soiling on three out of six piglet producing farms

o Data sovereignty, -processing and -evaluation regarding the following fields of research:
- Production parameters and biological performance (all involved project farms)
- Determination of the "critical phase of life of suckling piglets" (data of the three research farms)
- Video analysis of incidents of piglet crushing (farms Gießhübl und Hatzendorf)
- Analysis of stable climate and documentation (all project farms)
- Dissection of dead piglets from the farms Gießhübl and Hatzendorf
- Injuries and damages of animals from the six piglet producing farms
- Sow and pen soiling (all project farms)

o Support for the „Working group economy“ with regard to conception of data collection
o Support for the „Working group implementation and counselling“ with regard to knowledge transfer to practical farmers
o Support for master students of the University of Natural Resources and Life Sciences regarding data analysis of animal and pen soiling and of heart rate variability
o Coordination and junction of the reports from the subprojects and from working group economy and labor management; final editing and submission of the progress and final report to project commissioners

During the main trial of three years, five different farrowing pens were tested. Three of those farrowing pens derived from development work of Austrian partners from the fields of science, advisory institutions, husbandry construction companies and practical farmers (“LK-pens“). Those pens are the “Flügelbucht”, the “Knickbucht” and the “Trapezbucht”. Additionally to these, two foreign pen types (SWAP and Pro Dromi) that were available on the European market at the beginning of the project were investigated.
Within the project three research farms (LFS Hatzendorf, Pig Centre Gießhübl GmbH and pig farm Medau of the University of Veterinary Medicine Vienna) as well as six piglet producing farms were included. The later were particularly important to test the developed pen systems under practical conditions and to gather respective experiences of farmers to back up results from research farms under practical conditions. Thus, more robust overall results could be obtained.

The investigation of the critical phase of life of suckling piglets was carried out on the three research farms. Data processing and analysis was operated within the framework of project AREC. The sows were kept in the five pens described above and crated according to four durations of fixation (DF): In DF 3 sows were crated from the end of birth to day 4 of life, in DF 4 they were confined from the day before calculated farrowing date till day 4 of life and in DF 6 from the day before calculated farrowing date to day 6. In DF 0, which was treated as the reference, sows were not confined at all. The pen types and durations of fixation were compared regarding effects on piglet mortality and animal based parameters such as behaviour and clinical indicators. In addition, impacts on workload and economy were investigated.
Confinement of the sow according to DF 4 represents an effective measure to reduce piglet losses. The highest mortality rates must be expected within DF 0. Crating the sow after the end of birth (DF 3) results in a significantly lower piglet mortality rate compared to DF 0. Piglet losses in duration of fixation 3 tend to be higher than in DF 4. Moreover, DF 3 requires specifications on the personnel in respect to work management. Duration of fixation 6 does not offer advantages regarding piglet mortality in comparison with DF 4.
In the pen systems tested and within all durations of fixation, increasing litter size and parity number (age of the sow) lead to significantly higher piglet mortality.

Generally, confinement of the sow leads to restriction of behavioural expression in quality and quantity. It results in a significant reduction of activity of the sows before and after farrowing. During the phase of nest-building, sows confined in farrowing crates show more posture changes. Duration of nest-building is longer in non-crated sows and is characterised by higher activity when compared with confined animals. In addition, non-confined sows are more active during farrowing and change lying postures more often. Fixation does not have an effect on the duration of birth.
On the day after farrowing, the activity of the sows is low with and without confinement and increases considerably thereafter. Crated sows show increased activity on the respective day of release.
The duration of fixation does not have an effect on animal or pen soiling.
With regard to animal based parameters assessed in sows and piglets, no clear effect can be found, as damages and injuries of sows and piglets vary from pen to pen. Those are often closely linked to the flooring surfaces chosen and to the design of the respective farrowing crate. Some causes of injuries could be eliminated within the project by adaptions of the pens.

Regarding the evaluation of the systems it can be concluded that the three LK-pen designs are complying with the law. In principle, this applies also for the foreign pen types SWAP and Pro Dromi, but in these pen types deficiencies concerning slipperiness, adjustability of the farrowing crates, work management and occupational safety were found.
Referring animal welfare (risk of injuries, danger of crushing) and work management, special emphasis should be placed on adequate stability and adjustability of the farrowing crate as well as on easily operable mechanisms for opening and closing.
In all pen types tested the possibility of free movement of the sow is provided. Within a minimum pen size of 5.5 m² the length to width ratio defined for each LK-pen is, in regards to functionality, of crucial relevance.
In total (average of combination of fixation 4 and 6) the production performance in the LK-pens is comparable with conventional farrowing pens with permanent confinement of the sow. Observed variability between the different LK-pen types is not significant.
Nevertheless, the economic efficiency of piglet production in novel farrowing pens with the possibility of free movement of the sow, at the same level of production performance, is reduced. Causes are considerably higher investment costs and additional costs for work.

The project Pro-SAU was characterised by a unique and constructive cooperation between science, advisory institutions, husbandry construction industry and practical farmers. Due to a broadly supported, research-oriented project design and the participation of practical farmers valid, robust and in particular practically relevant data could be generated. The findings shall serve as basis for decision-making for the commissioning ministries (BMGF and BMLFUW) for the necessary amendment of the 1. Tierhaltungsverordnung in regard to keeping pigs in farrowing pens. Moreover, the results of this project represent the basis for the necessary assessment of the new farrowing pen systems by “Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz” (an expert body for animal-friendly husbandry and animal welfare) which was implemented by law.
For the persistence of economically efficient piglet production in Austria, it was of significant importance to identify practicable system alternatives – in which sows can move freely within predefined time spans – as well as appropriate development opportunities early on, to support the restructuring of the industry until 1st of January 2033 at the latest.
Berichtsdokumente/Anlagen
BerichtsautorInnen: HEIDINGER, Birgit
STINGLMAYR, Johann
MASCHAT, Kristina
OBERER, Manfred
BLUMAUER, Emil
KUCHLING, Sabrina
LEEB, Christine
HATZMANN, Elisabeth
ZENTNER, Eduard
HOCHFELLNER, Lisa
LAUBICHLER, Christian
DOLEZAL, Marlies
SCHWARZ, Lukas
MÖSENBACHER-MOLTERER, Irene
VOCKENHUBER, Daniela
BAUMGARTNER, Johannes
Download Abschlussbericht PRO-SAU - Evaluierung von neuen Abferkelbuchten mit Bewegungsmöglichkeit für die Sau (22270.15 kB)
BerichtsautorInnen: siehe deutsche Version
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