Nummer: 1437
Akronym:
Titel (deutsch): Beurteilung von serienmäßig hergestellten Abferkelbuchten in Bezug auf Verhalten, Gesundheit und biologische Leistungen der Tiere sowie in Hinblick auf Arbeitszeitbedarf und Rechtskonformität
Projektstart: 04.08.2005
Projektende: 31.01.2009
AuftragnehmerIn: Veterinärmedizinische Universität Wien - Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin, Institut für Tierhaltung und Tierschutz
Projektleitung: Univ.Ass.Dipl. Tzt. Dr. Johannes Baumgartner
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig:

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist es, bezüglich Abferkelbuchten die Investitionssicherheit für ferkelerzeugende Betriebe zu erhöhen, den Wissensaustausch mit den Stalleinrichtungsfirmen zu intensivieren und letztlich die Haltungsbedingungen für Sauen und Ferkel zu verbessern.
Aufgabe des gegenständlichen Projektes ist das Erarbeiten von wissenschaftlich abgesicherten Entscheidungsgrundlagen für BetriebsleiterInnen von ferkelerzeugenden Betrieben, für Stalleinrichtungsfirmen und für die tierschutzgesetzgebenden Organe. Die Untersuchungen sollen Aussagen über die Rechtskonformität, Wirtschaftlichkeit und Tiergerechtheit der untersuchten Abferkelbucht-Typen ermöglichen.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

In der vorliegenden Studie wurden im Rahmen eines Systemvergleichs 8 serienmäßig hergestellte Abferkelbuchten (8 Kastenstandsysteme, 3 Systeme mit frei beweglicher Sau) in Bezug auf Tierverhalten, Tiergesundheit, biologische Leistungen, Arbeitszeitbedarf, Wirtschaftlichkeit und Tierschutzrechtskonformität untersucht. Die Untersuchung fand in einem kommerziellen Ferkelerzeugungsbetrieb mit einem im 4-Wochenrhythmus geführten Bestand von 600 Sauen statt. Alle untersuchten Systeme sind über die gesamte Säugeperiode durch hohe Anteile von Liegeverhalten gekennzeichnet. Dies deutet auf insgesamt reizarme Umweltbedingungen hin. Die höchste Aktivität zeigten Sauen in der freien strukturierten Abferkelbucht mit Minimaleinstreu. Die nicht eingestreuten freien Abferkelbuchten unterschieden sich in den meisten Verhaltensweisen nicht von den Kastenstandsystemen. Verhaltensweisen wie Nestbauverhalten oder Stereotypien konnten jedoch nicht berücksichtigt werden. Zwischen den Kastenstandsystemen lag eine hohe Variabilität für Parameter wie Geburtsdauer oder Sitzen vor, die auf den großen Einfluss einzelner Elemente der Haltungssysteme hinweist. Die Ferkelnestnutzung wies große Unterschiede zwischen den untersuchten Haltungssystemen auf. Die strukturierte freie Bucht (geschlossener Boden in der Liegefläche) verursachte bei den Sauen die wenigsten Verletzungen an Gesäuge und Beinen. Die unstrukturierten, freien Buchten (vollflächig perforierter Boden, ausgenommen Ferkelnest) unterschieden sich in den haltungsbedingten Verletzungen nicht von Buchten mit Kastenstand. Innerhalb der Kastenstandsysteme wurde das höchste Schadensausmaß in Buchten mit Dreikant-Stahlrosten festgestellt. Die strukturierte freie Bucht erwies sich auch in Hinblick auf die Klauenschäden der Ferkel als das beste System, andererseits zeigten die darin gehaltenen Ferkel am häufigsten Verletzungen oberhalb der Klauen. Wabenförmig perforierte Bodenelemente bedingen weniger Schäden als rechteckig perforierte. In Kastenstandsystemen wurde eine signifikant höhere Aufzuchtleistung erzielt als in freien Abferkelbuchten. Kein Unterschied in der Anzahl abgesetzter Ferkel wurde innerhalb der freien Systeme sowie innerhalb der Kastenstandsysteme festgestellt. Das Wurfabsetzgewicht war in der freien strukturierten Bucht niedriger als in den Kastenstandsystemen. In allen Systemen ohne Fixierung der Sau wurden mehr Ferkel erdrückt als in den Systemen mit fixierter Sau. Für die nicht durch Erdrücken bedingten Verluste ergab sich ein uneinheitliches Bild. Der systemspezifische Arbeitszeitbedarf bewegte sich zwischen 4,2 und 6,0 Stunden je Sau und Jahr. Der höchste Arbeitszeitbedarf wurde vom freien strukturierten System verursacht, während die Unterschiede zwischen den anderen freien Systemen und Kastenstandsystemen lediglich bis zu 12,1 % betrugen. Die wesentlichen Gründe sind Unterschiede in Bodenfläche und –material, Schließmechanismen sowie Ausführung von Wänden, Trögen, Kastenstand und Ferkelnest. Der Deckungsbeitrag differierte um bis zu 29,3 %, innerhalb der Kastenstandsysteme jedoch nur um etwa 8 %. Die tierschutzrechtliche Beurteilung der untersuchten Systeme ergab, dass 4 von 8 Abferkelbuchttypen die aktuelle Mindestanforderung in Hinblick auf den Anteil der geschlossenen Fläche nicht erfüllten. Unklarheiten ergaben sich in Bezug auf die Beurteilung der Kastenstandmaße. Eine Gesamtbewertung der untersuchten Systeme stellt sich schwierig dar, da der Zielkonflikt zwischen den Ansprüchen der Sauen und Ferkel sowie arbeitswirtschaftlichen und ökonomischen Erfordernissen nicht auf wissenschaftlicher Basis gelöst werden kann.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Abschlussbericht als pdf (8247.37 kB)
BerichtsautorInnen:
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