Bio-Miscanthus


Nummer: 100709
Akronym: Bio-Miscanthus
Titel (deutsch): Langzeitmonitoring bei Miscanthus im Hinblick auf Ertrag und Bestandesentwicklung unter biologischen Bedingungen in unterschiedlichen Klimagebieten
Projektstart: 01.04.2011
Projektende: 31.01.2019
AuftragnehmerIn: HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Dipl. Ing. Waltraud Hein
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Ackerbau, Pflanzenzucht, Pflanzenschutz / Biologischer Landbau / Pflanzenproduktion

Zielsetzung

Die Nachfrage nach Energiepflanzen ist nach wie vor äußerst aktuell. Der weltweite Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen ist groß, ebenso das Interesse an solchen Pflanzen. Wenngleich viele Arbeiten zu verschiedenen Fragen von Miscanthus vorliegen, gibt es kaum Arbeiten zum Anbau dieser Energiepflanze im alpinen Klimagebiet. Eine Pflanze, die laut Literaturangaben am besten für ein Körnermaisgebiet geeignet ist, wird in einem Feldversuch seit einigen Jahren im mittleren Ennstal unter biologischen Anbaubedingungen geprüft. Der im Jahr 2006 angelegte Feldversuch hat sich inzwischen etabliert, und bringt schon recht beachtliche Trockenmasse-Erträge. Der bis jetzt von Jahr zu Jahr steigende Trockenmasse-Ertrag wird in den künftigen Jahren einmal seine Höchstmarke erreichen und danach wieder abfallen. Die Erfassung dieses Zeitpunktes soll mit Hilfe dieses Langzeit-Monitorings erfolgen, ebenso die Veränderung der Einzelpflanzen. Die Pflanzen der unterschiedlichen Pflanzweiten von 1x1, 1,5x1,5 und 2x2 m haben sich von Anfang an etwas anders entwickelt, vor allem im Hinblick auf die Verunkrautung. Deshalb wurde auch versucht, die 2x2 m-Variante mit zusätzlichen Setzlingen auf eine 1x1 m-Variante zu ändern. Allerdings sind diese Setzlinge in ihrer Entwicklung weit zurück und können sich gegenüber den bereits etablierten Pflanzen nicht recht behaupten.
Da im oberösterreichischen Alpenvorland Miscanthus immer wieder angebaut wird, meist jedoch nicht unter Biobedingungen, soll ab dem Jahr 2012 auch an der Außenstelle Lambach Stadl-Paura eine Fläche mit Miscanthus bebaut werden. Somit sind auch Vergleiche in der Entwicklung eines Miscanthusbestandes zwischen dem alpinen Klimagebiet und dem Alpenvorland mit einem wesentlich günstigeren Klima möglich. Außerdem ergibt sich an der Außenstelle Lambach auf Grund von Straßenbauarbeiten die Notwendigkeit, den einen Schlag, der von der übrigen Versuchsfläche abgetrennt ist, möglichst mit einer Dauerkultur zu bestellen, weil die Erreichbarkeit dieser Fläche schwierig geworden ist. Somit lassen sich verschiedene notwendige Anforderungen miteinander verbinden.
Zusätzlich soll in dieser wissenschaftlichen Tätigkeit das Ernteprodukt neben der üblichen Verwendung für Heizzwecke auch als alternatives Einstreumaterial dienen, weil diese Frage im alpinen Klimagebiet immer wieder von der Praxis gestellt wird. Wie weit sich dieses Material als Einstreu für Milchvieh eignet und wie die Umsetzung zu Kompost erfolgt, soll mit Hilfe des Langzeit-Monititoring geprüft werden.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

In diesem Abschlussbericht werden Ergebnisse aus einem Versuch mit Miscanthus giganteus im Ennstal und einem in Lambach präsentiert, die zeitlich nicht ganz parallel durchgeführt wurden. Miscanthus hat sich in verschiedenen europäischen Ländern als nachwachsender Rohstoff mit vielfachen Verwendungsmöglichkeiten seit mehr als 30 Jahren etabliert. Ursprünglich wurde Miscanthus als Brennstoff zur energetischen Nutzung verwendet; inzwischen wird Miscanthus wesentlich vielfältiger genutzt. Da Miscanthus eine Kulturpflanze ist, die viele Jahre genutzt werden kann, fallen zwar bei der Anlage hohe Kosten an, aber in den Folgejahren müssen keine Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Zudem bietet ein Miscanthusbestand vielen Tieren auch im Winter Unterschlupf, weil Miscanthus erst im zeitigen Frühjahr geerntet wird. Damit tragen Miscanthusbestände zu einer Steigerung der Biodiversität bei. Obwohl der Anbau von Miscanthus nur für Körnermaisklima empfohlen wird, wurde in der Abteilung Biologischer Ackerbau der HBLFA Raumberg-Gumpenstein im Jahr 2006 ein kleiner Versuch mit Miscanthus im Ennstal angelegt, um zu prüfen, wie sich Miscanthus unter alpinen Klimabedingungen entwickelt und welchen Ertrag man erwarten kann; außerdem ging es auch um die Frage, ob und wie sich eine länger andauernde Schneedecke auf die Ernte von Miscanthuspflanzen auswirkt. Die Versuchsfläche war vor der Auspflanzung von Miscanthussetzlingen Dauergrünland am Ennsboden, also kein geeigneter Ackerstandort. Beim Versuch an der Außenstelle in Lambach ging es ebenfalls um die Frage, wie schwierig es ist, einen Miscanthus-Bestand am Biobetrieb zu etablieren, wie hoch dann der Trockenmasse-Ertrag des Bestandes ist und wie lange so ein Bestand genutzt werden kann. Dazu wurde im Frühjahr des Jahres 2012 eine Fläche von annähernd einem Hektar angelegt, maschinell mit Rhizomen. Hier handelte es sich um eine langjährig ackerbaulich genutzte Fläche, wo Luzernegras Vorfrucht war. Die Etablierung des Bestandes im Ennstal gelang einfacher als ursprünglich angenommen, mit einer intensiven Unkrautbekämpfung im Aussaatjahr, welche händisch erfolgte, konnte sich der Bestand ohne weitere Pflegemaßnahmen gut entwickeln. Die erste Ernte mit Probenahme wurde 2008 vorgenommen, allerdings musste diese händisch durchgeführt werden. Ab dem Jahr 2010 wurde jede Ernte mit einem reihenlosen Maishäcksler durchgeführt, obwohl die Pflanzen nach manchen Wintern starke Lagerung aufwiesen. Aus Angst vor zu viel Schneedruck wurde der Versuch im Spätherbst 2011 geerntet, dabei kam der Trockenmassegehalt nur auf rund 50 % und die Pflanzen lagerten im darauffolgenden Winter extrem. Die Trockenmasse-Erträge betrugen im Mittelwert aller Jahre 133 dt/ha bei der 1 x 1 m-Pflanzdichte. Die beiden anderen Pflanzabstände, und zwar 2 x 2 m und 1,5 x 1,5 m erwiesen sich als nicht günstig, weil gerade zu Beginn die dazwischenliegende freie Fläche zu groß ist. Außerdem wurde bei der 2 x 2 m-Variante ebenfalls der mittlere Ertrag erhoben, der aber nur bei 55 dt/ha lag. Die mittlere Pflanzdichte wurde nur am Anfang separat geerntet und beprobt. Das Wachstum und die Pflanzenentwicklung waren selbst im alpinen Klimagebiet zufriedenstellend, der Trockenmassegehalt erreichte in fast allen Jahren 86 % mit Ausnahme der Ernte im Spätherbst und dem Jahr 2013, in dem der gesamte Pflanzenbestand starke Lagerung zeigte. Beim Versuch in Lambach musste im Ansaatjahr ebenfalls eine händische Unkrautbekämpfung vorgenommen werden, was aber angesichts der großen Fläche einen hohen Bedarf an Arbeitsstunden erforderte. Leider wurden im Zuge dieser Unkrautbekämpfung Jungpflanzen durch eine Motorsense aus Versehen beschädigt oder zur Gänze weggeschnitten, weil die Jungpflanzen teilweise total mit Ackerwinden zugewachsen waren. Deshalb gab es im gesamten Bestand immer wieder Lücken, die für ein spätes Schließen des Pflanzenbestandes verantwortlich waren. Im Folgejahr war die gesamte Versuchsfläche wieder stark verunkrautet, auf Grund mangelnder Arbeitskräfte konnten keine weiteren Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Durch das starke Wachstum der Miscanthuspflanzen im Sommer 2013 wurde das Unkraut schließlich von den Kulturpflanzen überwachsen und im Jahr 2014 präsentierte sich ein dichter, schöner Pflanzenbestand. Ab dem Frühjahr 2014 wurde der Miscanthusbestand in Lambach maschinell durch einen Lohnunternehmer aus der Nähe geerntet, wobei der durchschnittliche Ertrag bei 93 dt/ha Trockenmasse lag. Bei der Besichtigung der Versuche im zeitigen Frühjahr jeweils vor der maschinellen Ernte wurden auch Triebe pro Pflanze gezählt, sofern es möglich war, die Wuchshöhe der Pflanzen wurde gemessen und anschließend wurden Proben für das chemische Labor der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gezogen. Bei der Messung der Wuchshöhen konnten relativ übereinstimmende Werte zwischen beiden Versuchen festgestellt werden, bei der Anzahl der Triebe pro Pflanze wurden beim Versuch im Ennstal die höheren Werte erhoben. Aus technischen Gründen wurde der Versuch im Ennstal im Jahr 2015 das letzte Mal geerntet, danach gerodet und wieder als Grünland eingesät. Im Jahr 2018 erinnert nichts mehr an die ehemalige Miscanthusfläche. Leider musste auch der Miscanthusversuch in Lambach aus ähnlichen Gründen vorzeitig abgebrochen werden. Die Rodung erfolgte im Frühjahr 2018 nach der Ernte, danach wurde Kleegras auf dieser Fläche eingesät. Somit konnte nicht erfasst werden, wie lange die Nutzung von Miscanthus unter alpinen Klimaverhältnissen möglich gewesen wäre und wie sich die Trockenmasse-Erträge auf einem guten Ackerstandort im Alpenvorland entwickelt hätten.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Langzeitmonitoring bei Miscanthus im Hinblick auf Ertrag und Bestandesentwicklung unter biologischen Bedingungen in unterschiedlichen Klimagebieten (1048.58 kB)
BerichtsautorInnen: DI Waltraud Hein, HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Ing. Hermann Waschl, Hannes Rohrer, HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Publikationen durch ProjektleiterIn


Link http://www.raumberg-gumpenstein.at/c/index.php?option=com_content&view=article&id=2209%3Alangzeitmonitoring-bei-miscanthus-im-hinblick-auf-ertrag-und-bestandesentwicklung-unter-biologischen-bedingungen-in-unterschiedlichen-klimagebieten&catid=23%3A4forsch

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BerichtsautorInnen: DI Waltraud Hein, HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Ing. Hermann Waschl, Hannes Rohrer, HBLFA Raumberg-Gumpenstein
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