Nummer: 10640
Akronym:
Titel (deutsch): Einfluss von Tag- und Nachtweidehaltung auf die Grünfutteraufnahme von Milchkühen
Projektstart: 01.01.1999
Projektende: 31.08.2006
AuftragnehmerIn: Direktion Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Dr. Andreas STEINWIDDER
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig:

Zielsetzung

Viele Versuche zeigen, dass die Kühe bei Weidegang mehr Grundfutter aufnehmen als bei Stallfütterung (siehe Literaturübersicht bei MANUSCH et al. 1993). Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass die Tiere auf der Weide die Möglichkeit haben, höher verdauliches Futter bzw. Futterteile zu selektieren. Besonders der erste Aufwuchs bietet durch den hohen Stängelanteil – in weit stärkerem Ausmaß als die weiteren Aufwüchse – die Möglichkeit zur Futterselektion. Entsprechend haben MANUSCH et al. (1993) vor allem beim ersten Aufwuchs eine deutliche Überlegenheit der Weidehaltung festgestellt. Diese war bei den Folgeaufwüchsen nicht so deutlich ausgeprägt. Erfahrungen und Ergebnisse des Forschungsprojektes BAL 12 01/98 (Einfluss der Weide oder Stallhaltung auf die Grünfutteraufnahme) zeigten jedoch auch, dass klimatische Effekte (insbesondere hohe Tagestemperaturen) die Futteraufnahme von Weidekühen beeinflussen. Die Folge sind Schwankungen in der Nährstoffversorgung, Milchleistung und in den Milchinhaltsstoffen, wodurch auch negative wirtschaftliche Ergebnisse erzielt werden. Diese Tatsache ist mit ein Grund, warum die Weidehaltung von Milchkühen rückläufig ist. Eine Möglichkeit, die negativen Einflüsse von zu hohen Tagestemperaturen auf die Futteraufnahme zu verringern, könnte die Nachtweidehaltung darstellen.
Ziel des Projektes war es, die Einflussfaktoren auf die Grünfutteraufnahme von Milchkühen bei Tag- oder Nachtweidehaltung zu untersuchen. Es sollte geprüft werden, ob durch Nachtweide im Vergleich zur Tagweide eine verbesserte und konstantere Futteraufnahme erreicht werden kann. Um auch einen Vergleich der Tag- bzw. Nachtweidehaltung zur Grünfütterung bei Stallhaltung zu ermöglichen, wurde zusätzlich ein Drittel der Versuchstiere auch im Stall gehalten und entsprechend mit Grünfutter versorgt. Zusätzlich wurde auch die Einflüsse auf das Weideverhalten untersucht.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Der Versuch erfolgte an der BAL Gumpenstein von Juli bis September 1999 in Form eines lateinischen Quadrates über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Fütterung der 9 Versuchstiere erfolgt entweder bei Nachtweide- (3 Tiere) oder bei Tagweidehaltung (3 Tiere) sowie bei Stallhaltung (3 Tiere). Jedes Tier kam in jede Behandlung. Die Grundfutterration setzte sich in beiden Haltungssystemen aus 50% Grünfutter, 25% Heu und 25% Maissilage zusammen. Die Fütterung von Heu, Maissilage und Kraftfutter erfolgte im Stall in Anbindehaltung. Ab 13 kg Milch wurden je 2 kg Milchmehrleistung 1 kg Kraftfutter zugefüttert. Bei der Beweidung bzw. Nutzung des Grünfutters wurde nach Möglichkeit auf eine gleichbleibende Qualität (Ähren-Rispenschieben) geachtet. Es wurde der 2. bis 4. Aufwuchs eines Dauergrünlandbestandes genutzt. Die Grünfutteraufnahme war bei Nachtweidehaltung signifikant verringert. Grund dafür könnte, trotz geringfügiger Grünfutterselektion, der Einfluss der Tageslänge sein. Von Juli bis September nahm die Fressdauer ab. Die Aufnahme von Heu war bei Nachtweidehaltung signifikant, die der Maissilage tendenziell erhöht. Insgesamt erzielte die Nachtweidegruppe im Vergleich zur Tagweide- und Stallgruppe eine signifikant geringere Nährstoffaufnahme. Die höchste Grünfutteraufnahme konnte bei Tagweidehaltung festgestellt werden. Die Milchleistung unterschied sich nicht signifikant zwischen den Versuchsgruppen. Bei den Verhaltensuntersuchungen wurde nach dem Austrieb eine intensive Fressphase beobachtet. Die Tiere waren rund 50 Minuten in der Stunde damit beschäftigt, Futter aufzunehmen. Nach dieser ersten Fressphase fiel die Fresszeit auf ein Niveau von etwa 30 Minuten pro Stunde ab. Die Nachtweidegruppe zeigte ebenfalls nach Weideaustrieb eine intensive Fressphase. Die Futteraufnahme ging jedoch mit Einbruch der Dunkelheit deutlich zurück und blieb danach in der Nacht etwa auf einem Niveau von 5 bis 10 Minuten pro Stunde. Es zeigten sich sowohl Einflüsse der Tageslänge als auch des Klimas auf das Verhalten. In der betriebswirtschaftlichen Bewertung stellte sich die Tagweidehaltung im vorliegenden Versuch als die wirtschaftlich günstigste Variante heraus.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo WeideIITag_Nachtweide.pdf (194.64 kB)
BerichtsautorInnen: Andreas Steinwidder

Publikationen durch ProjektleiterIn


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