Kürbisfäulnis


Nummer: 100328
Akronym: Kürbisfäulnis
Titel (deutsch): Untersuchungen zur Fruchtfäule des Ölkürbis
Projektstart: 01.01.2007
Projektende: 31.12.2007
AuftragnehmerIn: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Dr. Herbert Huss
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Ackerbau, Pflanzenzucht, Pflanzenschutz / Biologischer Landbau / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

Die Fruchtfäule des Ölkürbis ist eine Krankheit, die in den steirischen Kürbisfeldern 2004 erstmals stärker in Erscheinung trat und 2005 zu besorgniserregenden Ertragsausfällen führte. 2006 durchgeführte Untersuchungen über die fäulnisbedingten Ertragseinbußen ergaben einen Prozentsatz von durchschnittlich ca 20 % gefaulter Kürbisse. Da über die Ursachen dieser Fäulnis bisher keine Untersuchungen vorliegen, wurde von Seiten der Bauern, der Kürbisvermarkter und der Ölkürbis - Züchtung (Saatzucht Gleisdorf) großes Interessse an diesbezüglichen Untersuchungen bekundet.
Durch die Untersuchungen wird es möglich sein gegensteuernde Maßnahmen zu setzen und so einen Beitrag zur Eindämmung dieser Krankheit zu leisten. Die Untersuchungen bilden eine wichtige Grundlage für die Züchtungsarbeit gegen die Fruchtfäule, da eine zielführende Züchtungsstrategie erst nach Kenntnis des verursachenden Pathogens und der Infektionswege (über Kürbiswand?, Blüte?) entwickelt werden kann.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Anlass für die Untersuchungen war eine in den steirischen Kürbisanbaugebieten seit 2004 auftretende Fruchtfäule, die 2005 zu erheblichen Ertragseinbußen führte und damit deutlich machte, dass es sich dabei um eine ernstzunehmende Krankheit handelt. 2006 wurden erstmals Erhebungen über das Ausmaß der Fäule durchgeführt. An acht steirischen Versuchsstandorten lag der Anteil der gefaulten Kürbisse bei durchschnittlich 15%, während auf Praxisfeldern bis zu 35 % Kürbisfäule beobachtet werden konnte. Da die Ursachen der Fruchtfäule unbekannt waren, richtete sich das Interesse zunächst auf die Erfassung der an Fruchtfäule beteiligten Pathogene. Dominierender Krankheitserreger und damit hauptverantwortlich für die Fruchtfäule war in den Jahren 2006 und 2007 der Pilz Didymella bryoniae. Er war überwiegend in seinem imperfekten Stadium (Phoma cucurbitacearum) auf fast allen faulenden Kürbissen nachweisbar. Nur vereinzelt waren auch andere Pilze, wie Sclerotinia scleotiorum oder Pythium sp. Ursache der Fruchtfäule. Die ersten faulenden Kürbisse waren ab Ende Juli zu beobachten, wobei deren Anteil mit zunehmender Vegetationsdauer deutlich anstieg. Daneben waren aber auch Kürbisse zu beobachten, bei denen zwar eine Didymella - Infektion der Fruchtwand erfolgte, eine Ausbreitung dieses Pilzes aber durch einen isolierenden Gewebering des Ölkürbis verhindert wurde. Diese Stellen traten als kreisrunde und meist 5mm große Flecken in Erscheinung und waren vor allem gegen Vegetationsende sehr zahlreich zu beobachten. Didymella bryoniae war nicht nur auf den Kürbissen, sondern auch auf allen vegetativen Teilen der Kürbispflanze nachweisbar. Auch die Blätter zeigten, wenngleich weniger häufig als die Kürbisfrüchte, in Form nekrotischer Aufhellungen des Blattgewebes deutliche Befallssymptome. Während auf den Kürbisfrüchten fast ausschließlich die anamorphe Form (Phoma cucurbitacearum) des Pilzes anzutreffen war, trat auf den Blättern auch die Hauptfruchtform von Didymella bryoniae in Erscheinung. Bei diesen Fruchtkörpern werden die 2- zelligen Ascosporen aktiv ausgeschleudert und mit dem Wind verbreitet. An der Kürbis - Zuchtstation in Gleisdorf aufgestellte Sporenfallen zeigten ab August einen deutlichen Anstieg des Sporenflugs, wobei in der Zeit von 13. -16. 8. 2007 durchschnittlich 60 Sporen /cm²/Tag gezählt wurden. Die Sporen von Phoma cucurbitacearum werden hingegen durch Wassertropfen verbreitet. Neben den geschilderten Symptomen war 2007 auch eine von Didymella bryoniae verursachte Blattdürre zu beobachten. Die ersten befallenen Blattstiele traten bereits Ende Juni auf. Es handelte sich dabei um die jeweils ältesten Blattstiele, die zu dieser Zeit noch unter dem geschlossenen grünen Blätterdach verborgen blieben. Sukzessive wurden die nächst jüngeren Blattstiele befallen, was im August schließlich zum Absterben eines Großteils der Blätter führte. Charakteristisches Merkmal des Befalls war eine meist oberhalb der Stielmitte beginnende wässrige Braunverfärbung. Durch die in den Gefäßbündeln vor sich gehenden Fäulnisprozesse kam an dieser Stelle auch zum Abknicken des Blattstiels. Hier wurden auch die schwarzen kugeligen, meist asexuellen Fruchtkörper von Didymella bryoniae gebildet. Auffallend ist, dass der Befall bei den ältesten Blattstielen begann und sukzessive fortschritt. Dies lässt vermuten, dass die Ausbreitung des Pilzes innerhalb der Kürbispflanze erfolgte. Dass sich Myzelfäden in den Wasserleitungsbahnen auszubreiten vermögen, konnte in den Blattstielen nachgewiesen werden. In einem dieser gefaulten Blattstielabschnitte war auch das phytopathogene Bakterium Pseudomonas viridiflava nachweisbar. Ob dieses Bakterium, das auf den Kürbisblättern 2007 eine Blattfleckenkrankheit verursachte, auch an der Fäulnis der Gefäßbündel beteiligt war, konnte jedoch nicht geklärt werden.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Bakterium Pseudomonas viridiflava: Neue Blattfleckenkrankheit am Steirischen Ölkürbis (654.92 kB)
BerichtsautorInnen: Dr. Herbert Huss
logo Der Pilz Didymella bryoniae schädigt steirischen Ölkürbisanbau: Fruchtfäule statt Kernöl (1296.74 kB)
BerichtsautorInnen:
logo Warum fault der Steirische Ölkürbis? (533.99 kB)
BerichtsautorInnen:
logo Didymella bryoniae im Steirischen Ölkürbis: Neben Fruchtfäule auch Verursacher der Blattdürre (568.14 kB)
BerichtsautorInnen:
logo Neue Krankheiten am Steirischen Ölkürbis (272.42 kB)
BerichtsautorInnen:
logo Sortenabhängige und zeitliche Entwicklung von Fruchtfäule bei Ölkübis (C. pepo var. styriaca) (377.84 kB)
BerichtsautorInnen:
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