Nummer: 10645
Akronym:
Titel (deutsch): Entwicklung und Erhaltung standortgerechter Gräser und Leguminosen für die Grünlandwirtschaft und den Landschaftsbau im Alpenraum
Projektstart: 01.01.1999
Projektende: 27.12.2006
AuftragnehmerIn: Direktion Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Dr. Bernhard KRAUTZER
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig:

Zielsetzung

Etwa zwei Drittel der gesamten Landesfläche sind dem alpinen Klimabereich zuzuordnen. Dieses Klima ist charakterisiert durch hohe Niederschläge, kühle Sommer und kalte, lange Winter mit lang anhaltender Schneebedeckung. Sowohl für landwirtschaftlich genutzte Grünlandflächen als auch für Rekultivierungen nach Straßen- und Wegebauten, Anlage von Schipisten, Kraftwerken und Landschaftsbau ergibt sich das Problem einer Ansaat mit standortgerechten bzw. –angepassten Sorten und Ökotypen von Gräsern, Leguminosen und Kräutern. Für Rekultivierungen werden in Österreich jährlich mehr als 2.500 Tonnen an Sämereien verwendet. Für Neuanlagen und Übersaaten im Bereich des Wirtschaftsgrünlandes werden jährlich mehr als 2.000 t an Sämereien von Grünlandgräsern und -leguminosen verwendet. Das im Handel erhältliche Sortenspektrum kann den in Österreich herrschenden Bedingungen nur sehr bedingt entsprechen, werden doch die meisten Sorten in gänzlich verschiedenen Klimagebieten für nicht vergleichbare Bewirtschaftungsbedingungen gezüchtet (KRAUTZER, 1992). Daraus resultieren viele Probleme wie große Winterschäden, lückige Narben, starker Verunkrautungsdruck, schlechte Futterqualität und geringe Energieerträge sowie Erosionsanfälligkeit. Im Bereich des Landschaftsbaues, speziell in Hochlagen, lässt sich die derzeitige Praxis nicht mit den Vorgaben des Naturschutzes vereinbaren. Aus Mangel an Alternativen beträgt die Importrate bei Sämereien mehr als 95%! Seit dem Ende der Achzigerjahre wurde die Züchtungsarbeit an der BAL Gumpenstein mangels kommerzieller Aktivitäten intensiviert, um diesen Problemen zu begegnen.
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt auch einen deutlich positiven Effekt dieser Aktivitäten auf die inländische Sämereienvermehrung. Lag der Anteil inländischer Sorten und Ökotypen an der gesamten Vermehrungsfläche Anfang der Neunzigerjahre noch bei ca. 20%, so werden inzwischen bereits mehr als 50% der Vermehrungsfläche mit inländischen Sorten bebaut. Die Zukunft einer inländischen Sämereienvermehrung ist daher eng mit einer erfolgreichen Weiterführung der Aktivitäten an der BAL Gumpenstein verknüpft.
Das mittelfristige Ziel dieses Projektes innerhalb der nächsten fünf Jahre ist eine Erhaltung des bestehenden sowie ein weiterer Ausbau des inländischen Spektrums an Sorten und Ökotypen. Das entsprechende Material befindet sich teilweise bereits im Stadium fortgeschrittener Bearbeitung und soll zum Teil bis zum Ende der Laufzeit des Projektes zur Sorteneintragung gelangen.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Seit mehreren Jahren laufen die Zuchtprogramme bei Goldhafer, Englischem Raygras, Rotstraußgras, Kammgras, Wiesenfuchsschwanz und Hornklee. Nach erfolgreichem Abschluss der Register- und Sortenwertprüfung sowie der internen Stammprüfungen konnte bei den nachstehenden Sorten bereits mit der Saatgutproduktion begonnen werden: Goldhafer 'Gusto' und 'Gunther' (2001, 2002), Englisch Raygras 'Guru' (2002), Rotstraußgras 'Gudrun' (2002), Wiesenfuchsschwanz 'Gufi' (2003). Allen Sorten gemeinsam ist eine spezielle Eignung für den alpenländischen Klimaraum. Die angesprochenen Sorten werden inzwischen gemeinsam mit den älteren Sorten Knaulgras 'Tandem', Bastardraygras 'Gumpensteiner' sowie Rotklee 'Gumpensteiner' auf einer Fläche von ca. 800 ha vermehrt und kommen ausschließlich in Qualitäts-Saatgutmischungen der privatrechtlichen Marke 'ÖAG' zum Einsatz. Damit bleibt die gesamte Wertsteigerung für Produktion und Vertrieb in Österreich und kommt den Landwirten zugute. Weitere Stämme von Bastardraygras, Englisch Raygras, Knaulgras, Kammgras und Hornklee stehen bereits in Prüfung, mehrere sollen in den nächsten Jahren die Sorteneintragung erreichen. Im Bereich der Entwicklung standortgerechter Ökotypen konnte inzwischen ebenfalls eine ausgedehnte Vermehrung auf 60 ha der folgenden Arten erreicht werden: Alpenrotschwingel, Felsenschwingel, Kurzschwingel, Alpenrispengras, Violettrispe, Alpenlieschgras, Mattenlieschgras, Rasenschmiele, Wehrlose Trespe, Alpenrotklee, Wundklee. Das Saatgut kommt ebenfalls in Qualitätsmischungen für Hochlagen und Landschaftsbau zum Einsatz.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Standortgerechte_Graeser.pdf (155.67 kB)
BerichtsautorInnen: Bernhard Krautzer
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