FARMLIFE


Nummer: 100800
Akronym: FARMLIFE
Titel (deutsch): Einzelbetriebliche Ökobilanzierung landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich
Projektstart: 13.06.2012
Projektende: 11.04.2016
AuftragnehmerIn: Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Projektleitung: DI Daniel Baumgartner
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig:

Zielsetzung

Die Einführung der einzelbetrieblichen Beurteilung landwirtschaftlicher Ökobilanzen verfolgt drei zentrale Ziele: (i) Effizienzsteigerung des landwirtschaftlichen Betriebes unter Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Produktionsfunktionen, (ii) Darstellung landwirtschaftlicher Leistungen und Umweltwirkungen, (iii) Schaffung von Datengrundlagen für Entscheidungsträger entlang der Nahrungsmittelkette (Landwirte, Behörden, Akteure der Ernährungswirtschaft, Private).

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Seit rund 20 Jahren besteht in unserer westlichen Gesellschaft ein zunehmendes Bewusstsein für nachhaltiges Wirtschaften. Im landwirtschaftlichen Bereich zeigt sich das beispielsweise in der Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Dieser zufolge soll die Landwirtschaft nicht nur wettbewerbsfähig sein, sondern auch nachhaltig und multifunktional. Das heißt, die Landwirtschaft soll Nahrungsmittel und agrarische Rohstoffe produzieren, Einkommen generieren und die Pflege der Kulturlandschaft sowie Umweltleistungen im Zusammenhang mit ländlicher Entwicklung erbringen. Im Kontext dieser Rahmenbedingungen hängt die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Landwirtschaft in Zukunft von ihrer Fähigkeit ab, sich durch die Einhaltung hoher Umweltstandards auszuzeichnen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es neben bestehenden Bewertungssystemen eines Indikatorensystems, anhand dessen Landwirte ihr ökologisches Profil erstellen können, um so die Umweltleistungen und -wirkungen ihres Betriebsmanagements zu bewerten. Um Umweltwirkungen von landwirtschaftlichen Produktionsprozessen und Betrieben bewerten zu können, wurden in Europa unterschiedliche Verfahren entwickelt. Diese Umweltbewertungsverfahren richten sich an Landwirte und Berater, die ihr betriebliches Umweltmanagement nachhaltig optimieren wollen. Die Ökobilanzierung als gängiges Verfahren für Umweltbewertungen ist zwar durch ISO-Normen (14040 und 14044) definiert, trotzdem gibt es Spielraum bei der Umsetzung, der von der Datenerhebung auf Betrieben, über den internen Datenfluss, die Abschätzung der Feld- und Tieremissionen bis hin zur Ergebnisinterpretation reicht. Dieser Spielraum wirkt sich auf die Ökobilanz-Ergebnisse teilweise stark aus, sodass der gesamte Prozess offen dargestellt werden muss. Um die Anforderungen an einen offenen und transparenten Prozess der Umweltbewertung zu erfüllen, benötigt es ein Ökobilanzierungskonzept, das von der Dateneingabe bis zur Auswertung nachvollziehbar ist und zu konsistenten Ergebnissen führt. Vor diesem Hintergrund und aufbauend auf Erwartungen des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), Handlungskompetenzen und Wissen im Bereich der landwirtschaftlichen Ökobilanzen aufzubauen und zu vermitteln, wurde die Forschungsanstalt Agroscope (Zürich) kontaktiert, die sich seit über 20 Jahren mit Ökobilanzierung in der Landwirtschaft beschäftigt. Zusammen mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, die umfassende Expertise hinsichtlich nachhaltigen Wirtschaftens im Agrar-, Ernährungs- und Umweltbereich des ländlichen Raumes hat, wurde das Forschungsprojekt FarmLife beauftragt und im Projektzeitraum 2012-2015 durchgeführt. Hauptziel des Projektes war, eine Methodik zu schaffen, welche eine Umweltbewertung für landwirtschaftliche Betriebe liefern kann. Das Projekt verfolgte dabei drei Teilziele: (1) Anpassung der Ökobilanzierungsmethode SALCA (Swiss Agricultural Life Cycle Assessment) für die Ökobilanzierung landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich; (2) Entwicklung eines Datenverarbeitungskonzeptes für die Ökobilanzierung landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich; (3) Test des entwickelten Ökobilanzierungskonzeptes anhand eines Betriebsnetzes mit unterschiedlichen Produktionsausrichtungen. Der vorliegende Abschlussbericht beschreibt die Erreichung von Ziel 1) und 2). Ziel 3) wird gesondert in einem Tagungsband behandelt, welcher im Rahmen der Projektabschlusstagung erstellt wurde (Herndl et al., 2015). Operativ waren die HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Projektleitung), Agroscope sowie BIO AUSTRIA als Projektpartner beteiligt. Strategisch begleitet wurde das Projekt von einem Leitungsausschuss unter der Führung des BMLFUW, einer Steuerungsgruppe mit Interessenvertretern aus der Landwirtschaft sowie einer wissenschaftlichen Begleitgruppe mit Vertretern aus verschiedenen Institutionen aus dem Bereich Forschung. In Bezug auf das Ziel 1 wurde die Ökobilanzierungsmethode SALCA mit Unterstützung der wissenschaftlichen Begleitgruppe analysiert, der Anpassungsbedarf wurde evaluiert und umgesetzt. Aus der Diskussion ergab sich eine Reihe von Anpassungen; diese reichten von der Änderung einzelner Parameterwerte bis hin zu einer tiefer greifenden Überarbeitung mancher Modelle oder Modellteile. Für FarmLife angepasst wurden die SALCA-Modelle für Phosphor-, Nitrat-, Schwermetall-, Ammoniak-, Stickoxid-, Lachgas- und Methanemissionen; und zwar wurden Anpassungen dann umgesetzt, wenn eines der folgenden Kriterien zutraf: a) Es herrschten Klima- und Bodenbedingungen, die durch die SALCA-Modelle nicht abgedeckt sind, da sie in der Schweiz nicht vorkommen; b) es waren spezifische Daten, Berechnungsgrundlagen oder Know-how in Österreich vorhanden, die die Verhältnisse zutreffender beschrieben und eine bessere Akzeptanz aufwiesen als die Schweizer Grundlagen; c) Informationen oder Daten, welche für die SALCA-Modelle benötigt werden, waren in Österreich nicht vorhanden; d) einige Modelle wurden im Zuge der allgemeinen Weiterentwicklung der SALCA-Modelle angepasst. Bezüglich Kriterium a) gab es Erweiterungen der Modelle SALCA-Phosphor und SALCA-Nitrat für den pannonischen Klimaraum. Die Berechnung der Abschwemmung und Auswaschung von Nährstoffen war aufgrund der geringeren Niederschläge in dieser Region zu erweitern. Bezüglich Kriterium b) gab es Anpassungen beim Phosphoraustrag durch Bodenerosion. Hier standen Daten der österreichischen Bodenkartierung zur Verfügung; die Phosphorbodengehalte konnten zudem aus einer österreichischen Studie übernommen werden. Für die Berechnung der Schwermetallemissionen waren Daten zu Schwermetalldeposition und zu Bodengehalten aus österreichischen Erhebungen verfügbar, welche anstelle der Schweizer Werte eingesetzt wurden. Bezüglich Kriterium c) waren aufgrund der Datenverfügbarkeit in der österreichischen Bodenkartierung in den Modellen SALCA-Phosphor und SALCA-Nitrat verschiedene Anpassungen notwendig. Die Modelle aus dem Bereich Tier- und Luftemissionen – Ammoniak, Stickoxide, Lachgas und Methan – wurden im Zuge einer generellen Weiterentwicklung der SALCA-Methode verändert, entsprechend Kriterium d). In Bezug auf das Ziel 2 konnte ein mehrstufiges Datenverarbeitungskonzept entwickelt werden, welches den Datenfluss vom Zusammenstellen von Hintergrunddaten über die Datenerhebung auf Betrieben bis hin zur Ökobilanzierung, Ergebnisauswertung und Betriebsrückmeldung unterstützt. Neu entwickelte Tools verbinden sich nun mit verfügbaren, bewährten Ökobilanz-Werkzeugen. Phase 1 und 2 der Ökobilanzierung nutzen ein Online-Erfassungswerkzeug, das zum einen den Systemrahmen aus Phase 1 sichert und zugleich alle Grunddaten für die Sachbilanz erfasst. Die Rohdaten der Online-Erfassung werden in einem eigenen, lokal anwendbaren Werkzeugverbund geprüft, weiter verrechnet und als fertige Sachbilanz der abschließenden Wirkungsabschätzung in Phase 3 zugeführt. Allgemeine fachliche Kennzahlen landwirtschaftlicher Betriebe und die Ergebnisse der Wirkungsabschätzung werden gemeinsam für Phase 4, die Ergebnisinterpretation, zusammengeführt. Die Ergebnisse werden den Betrieben mit einem weiteren Online-Tool zur Verfügung gestellt. Den speziellen Anforderungen der einzelnen Phasen der Ökobilanzierung an das Datenverarbeitungskonzept konnte durch die Entwicklung eines Werkzeugverbundes besser Rechnung getragen werden, als dies durch ein großes Einzelwerkzeug möglich gewesen wäre. Mit Ausnahme von SimaPro, einer bedeutenden Software für die Ökobilanzberechnung, beruhen alle Teilwerkzeuge auf einfachen, marktgängigen und weit verbreiteten Entwicklungswerkzeugen und Datenbanksystemen. Das Projekt hat die drei genannten Ziele erreicht. In einem nächsten Schritt sollen die entwickelten Tools in der landwirtschaftlichen Praxis bzw. in der Beratung eingesetzt werden.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Abschlussbericht FarmLife: Einzelbetriebliche Ökobilanzierung landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich (3549.98 kB)
BerichtsautorInnen: Markus Herndl, Daniel U. Baumgartner, Thomas Guggenberger, Maria Bystricky, Gérard Gaillard, Silvia M.R.R. Marton, Jens Lansche, Christian Fasching, Andreas Steinwidder, Thomas Nemecek
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