Vollweide+Abkalbung


Nummer: 100332
Akronym: Vollweide+Abkalbung
Titel (deutsch): Vollweidehaltung von Bio-Milchkühen im Berggebiet Österreichs - Einfluss des Abkalbezeitpunkts auf die Milchleistung, Nährstoffversorgung sowie ökonomische und ökologische Parameter
Projektstart: 31.10.2007
Projektende: 17.12.2010
AuftragnehmerIn: Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein
Projektleitung: Priv.-Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Ackerbau, Pflanzenzucht, Pflanzenschutz / Biologischer Landbau / Tierproduktion / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

Bei Vollweidehaltung versuchen Milchviehbetriebe durch beste Nutzung des kostengünstigen Weidefutters eine „Low-Input bzw. Low-Cost“ Strategie umzusetzen. Dabei wird auf alles was in der Produktion hohe Kosten verursacht weitestgehend verzichtet. Hohe Einzeltierleistungen werden aus Kostengründen nicht angestrebt und können bei alleiniger Weidefütterung auch nicht ausgefüttert werden. Ein wichtiges Managementkriterium ist dabei die Abstimmung der Abkalbung der Milchkühe auf die Vegetationsperiode (saisonale Abkalbung). In Grünlandgunstlagen, wo kurze Vegetationsruheperioden gegeben sind (Irland, Neuseeland etc.), erfolgt die Abkalbung der weidetauglichen Kühe überwiegend im Frühling d.h. kurz vor Vegetationsbeginn. Im Grünlandgebiet Österreichs ist die Vegetationsperiode im Vergleich dazu deutlich kürzer. Darüber hinaus bestehen auch hinsichtlich der Zuchtausrichtung Unterschiede – im Durchschnitt sind die österreichischen Milchkühe größer und schwerer und erzielen höhere Tages- und Jahresmilchleistungen. Da die Weidefutteraufnahme im Gegensatz zur Stallhaltung mit 15–20 kg T pro Tier und Tag stärker begrenzt ist, mobilisieren Hochleistungstiere bei alleiniger Weidefütterung, insbesondere zu Laktationsbeginn, stark Körperreserven. Diese kann zu einer Stoffwechselbelastung und auch zu einer Verschlechterung der Fruchtbarkeitsergebnisse und Nutzungsdauer führen.
Wenn mit den in Österreich vorhandenen Kühen in der Vegetationsperiode eine „Low-Input“ Vollweidehaltung angestrebt wird, dann könnte eine Vorverlegung des Abkalbezeitpunkts in den Winter und eine gezielte Stallfütterung in den ersten Laktationsmonaten Vorteile hinsichtlich Nährstoffversorgung, Leistung und Tiergesundheit mit sich bringen. Demgegenüber muss bei dieser Strategie aber mit einem Rückgang des Weidegrasanteils in der Gesamtjahresration und einem deutlichen Anstieg im Kraftfutteraufwand und in den Futterkosten gerechnet werden. Im Forschungsprojekt sollen die Einflüsse des Abkalbezeitpunkts auf Milchleistung, Nährstoffversorgung, physiologische, ökonomische und ökologische Parameter auf dem Bio-Lehr- und Forschungsbetrieb Moarhof untersucht werden. Es sollen weitere abgesicherte Erkenntnisse zur nachhaltigen und energieeffizienten Milchviehhaltung auf Basis einer „Low-Input“ Vollweidehaltung geliefert werden.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Die zu beobachtende rasche Veränderung im Bereich der Energie- und Rohstoffversorgung, dem Klima, den Wasserressourcen aber auch in der weiteren Zunahme der Weltbevölkerung werden auch in der Landwirtschaft nicht ohne Folgen bleiben.
Ackerfähige Flächen werden zukünftig nicht nur für die Lebensmittelbereitstellung sondern auch eine wichtige Basis für die Energiegewinnung darstellen. Es kann erwartet werden, dass dadurch die Tierhaltung in den Ackerbaugebieten weiter zurück geht. Darüber hinaus wird die weltweit stärkere Nachfrage nach Nahrungsmitteln, bei gleichzeitiger Ausweitung der Energieproduktion auf Ackerstandorten, die Preise für Körner und Ackerfrüchte weiter erhöhen. In der Rinderhaltung dürfte daher nicht nur zu einer Abnahme der Tierzahlen im Ackergebiet führen, sondern im Grünland- und Berggebiet auch den Einsatz hoher Kraftfuttermengen in der Rinderfütterung zunehmend unwirtschaftlich machen.
Rinder sind wie alle Wiederkäuer sehr effiziente Grundfutterverwerter. Sie können für den Menschen nicht direkt nutzbare Rohstoffe zu Lebensmitteln umwandeln. Demgegenüber ist die Verfütterung hochverdaulicher Futterkomponenten (Kraftfutter) in der Fütterung von Hühnern und Schweinen sinnvoller und wirtschaftlicher. In der Rinderhaltung wird der grünlandfutterbasierten Milch- und Fleischproduktion wieder größeres Augenmerk zu schenken sein. Dies wird sich zwangsläufig auf die Ausrichtung der Rinderzucht, Fütterung, Haltung und Vermarktung auswirken.
Die Weidehaltung liefert das preiswerteste Futter, ist sehr energieeffizient und hat bei guter Bewirtschaftung ein hohes Potential in der Fütterung. Dies zeigt sich auch darin, dass Regionen mit hohem Weidegrasanteil in der Jahresration von Rindern am international Markt bei Fleisch und Milch sehr gut bestehen können. Bei steigenden Energie- und Maschinenkosten wird die Weidehaltung zwangsläufig konkurrenzfähiger. Bereits jetzt laufen daher in der Forschung, Beratung, Vermarktung und auch in Länderförderprogrammen Aktivitäten um die Weidehaltung auf geeigneten Betrieben und Flächen wieder stärker zu etablieren. Für die Vermarktung dieser „Grünen-Produkte“ ergibt sich der Vorteil, dass die Weidehaltung den Erwartungen der Konsumenten sehr nahe kommt und diese Produkte hinsichtlich Gesundheitswert positiv zu bewerten sind. So weist beispielsweise Milch von Kühen die vorwiegend Weidegras fressen 2–5 Mal höhere Gehalte an wertvollen Omega-3-Fettsäuren auf wie Milch von Kühen bei üblicher Stallfütterung. In diesem Zusammenhang muss auch gesehen werden, dass in vielen von unseren Nachbarländer (Italien, Deutschland, Ungarn etc.) der Weidehaltungs¬anteil nur mehr gering ist. Bei entsprechendem Marktauftritt könnten sich daraus auch ein bedeutender Vorteile im Produktabsatz im In- und Ausland ergeben. Die Entwicklungen im Bio-Produkteabsatz bestätigen diese Aussagen bereits jetzt eindrucksvoll.

Im geplanten Projekt soll eine „Low-Input bzw. Low-Cost“ Strategie für Betriebe im Grünlandgebiet Österreichs untersucht bzw. optimiert werden. Dabei wird auf alles was in der Produktion hohe Kosten verursacht weitestgehend verzichtet. Hohe Einzeltierleistungen werden aus Kostengründen nicht angestrebt und können bei alleiniger Weidefütterung auch nicht ausgefüttert werden. Wenn mit den in Österreich vorhandenen Kühen in der Vegetationsperiode eine „Low-Input“ Vollweidehaltung angestrebt wird, dann könnte eine Vorverlegung des Abkalbezeitpunkts in den Winter und eine gezielte Stallfütterung in den ersten Laktations¬monaten Vorteile hinsichtlich Nährstoffversorgung, Leistung und Tiergesundheit mit sich bringen. Demgegen¬über muss bei dieser Strategie aber mit einem Rückgang des Weidegrasanteils in der Gesamtjahresration und einem deutlichen Anstieg im Kraftfutteraufwand und in den Futterkosten gerechnet werden. Im Forschungsprojekt sollen die Einflüsse des Abkalbezeitpunkts auf Milchleistung, Nährstoff¬versorgung, physiologische, ökonomische und ökologische Parameter auf dem Bio-Lehr- und Forschungsbetrieb Moarhof untersucht werden. Es sollen weitere abgesicherte Erkenntnisse zur nachhaltigen und energieeffizienten Milchviehhaltung auf Basis einer „Low-Input“ Vollweidehaltung geliefert werden.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Weidehaltung in der Biologischen Landwirtschaft eine große Rolle spielt und ab 01.01.2011 verpflichtend vorgeschrieben ist – auch hier leistet das Projekt wichtige Vorarbeiten.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Bei „Low-Cost“-Vollweidehaltung von Milchkühen wird eine optimale Verwertung des Weidefutters angestrebt. Ein wichtiges Managementkriterium ist dabei die Abstimmung des Abkalbezeitpunkts auf die Vegetationsperiode. In der vorliegenden Untersuchung wurden die Effekte des Abkalbezeitpunkts auf die weidebasierte Milchproduktion im Berggebiet untersucht. Dazu wurden 33 Milchkühe der Versuchsherde des Bio-Lehr- und Forschungbetriebs Moarhof drei Versuchsgruppen zugeteilt. Das durchschnittliche Abkalbedatum der Gruppe 1 war der 17. November, der Gruppe 2 der 25. Dezember und der Gruppe 3 der 20. Februar. In der Stallfütterungsperiode erhielten die Tiere eine Grünlandration aus Heu und Grassilage sowie eine restriktive milchleistungsabhängige Kraftfutterergänzung. Die Tiere wurden von Anfang April bis Ende Oktober (202 bzw. 203 Tage 2008 bzw. 2009) auf einer Kurzrasenweide gehalten, wovon 177 Tage auf Tag- und Nachtweide (Vollweide) entfielen. In der Vollweidezeit erhielten Kühe unter 28 kg Tagesmilchleistung kein Kraftfutter und über einer Milchleistung von 32 kg max. 2 kg FM Kraftfutter als Ergänzung zu 1,5 kg FM Heu und Weidefutter. Die Weidefutterproben wiesen in den Versuchsjahren im Mittel einen Energiegehalt von 6,4 (± 0,33) MJ NEL und einen Rohproteingehalt von knapp 22 % (± 3) je kg Trockenmasse auf. Die durchschnittliche Laktationsdauer (299 auf 284 Tage) und die Milchfettmenge ging signifikant und die energiekorrigierte Milchleistung tendenziell von Gruppe 1 bis Gruppe 3 zurück. Die Milchleistungen der Gruppen 1–3 lagen pro Laktation bei 6.300, 5.974 und 5.449 kg ECM bzw. 6.360, 6.135 und 5.727 kg Milch, 261, 245 und 217 kg Fett bzw. 200, 189 und 178 kg Eiweiß. Im Gegensatz zu Gruppe 3 zeigten die Tiere der Gruppen 1 und 2 zu Weidebeginn einen zweiten Milchleistungsanstieg. Der Kraftfutteraufwand pro Kuh verringerte sich signifikant von Gruppe 1 über Gruppe 2 bis Gruppe 3 von 11 % (669 kg T/Jahr bzw. 652 kg T/Laktation) über 9 % (541 kg T/Jahr bzw. 525 kg T/Laktation) auf 6 % (373 kg T/Jahr bzw. 349 kg T/Laktation) an der Jahresration und der Weidefutteranteil stieg ebenfalls signifikant von 43 % über 46 % auf 50 % der Gesamt-T-Aufnahme pro Jahr an. Bei den Tieren der Gruppe 3 wurde zu Laktationsbeginn die stärkste Lebendmasse- und BCS-Abnahme festgestellt. Die Fruchtbarkeitsergebnisse sowie die Anzahl an tierärztlichen Behandlungen wurden vom Abkalbezeitpunkt nicht signifikant beeinflusst. Die höchsten β-HB-, FFS- und Aspartat-Amino-Transferase-Gehalte wurden zu Weidebeginn in Gruppe 3 festgestellt, welche sich zu diesem Zeitpunkt in der Hochlaktationsphase befanden. Der Abkalbezeitpunkt hatte keinen signifikanten Einfluss auf die ökonomischen Ergebnisse. Die signifikant geringeren Futterkosten in Gruppe 3 wurden durch die ebenfalls geringeren Milcherlöse aufgehoben. Der Grundfutterflächenbedarf nahm von Gruppe 1 bis Gruppe 3 zu.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Vollweidehaltung von Bio-Milchkühen im Berggebiet Österreichs - Einfluss des Abkalbezeitpunkts auf die Milchleistung, Nährstoffversorgung sowie ökonomische und ökologische Parameter (731.91 kB)
BerichtsautorInnen: Dr. Andreas Steinwidder; DI Walter Starz; Dr. Leopold Podstatzky; Dr. Johann Gasteiner; Rupert Pfister; Ing. Markus Gallnböck; Hannes Rohrer
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