Nummer: 100194
Akronym:
Titel (deutsch): Untersuchungen zur Fremdbefruchtungsrate in Maiskulturen unter Berücksichtigung der Umwelten in den Hauptanbaugebieten Österreichs
Projektstart: 27.11.2006
Projektende: 06.08.2008
AuftragnehmerIn: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Projektleitung: DI Charlotte Leonhardt
Finanzierungsstellen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wissenschaftszweig: LAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Sonstige und interdisziplinäre Land- und Forstwirtschaft / Land- und Forstwirtschaft interdisziplinär / AGRARWISSENSCHAFTEN, VETERINÄRMEDIZIN

Zielsetzung

Neue wissenschaftliche und repräsentative Erkenntnisse bezüglich des Koexistenzmanagements unter praxisrelevanten Umwelt- und Produktionsbedingungen bei Mais in Österreich.

Weiterführung des 2006 abgeschlossenen Projekts „Untersuchungen zur Fremdbefruchtungsrate in Maiskulturen unter Berücksichtigung der Umwelten in den Hauptanbaugebieten Österreichs“ um das vorhandene Datenmaterial zu erweitern (2. Versuchsjahr, repräsentative Umwelten) und die bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse zu sichern.

Bedeutung des Projekts für die Praxis

Die Ergebnisse fließen in die Evaluierung der Richtlinien für Maßnahmen und Strategien zu einer GVO-minimierten landwirtschaftlichen Produktion und ein effektives und effizientes Koexistenzmanagement ein. Konkrete, mit wissenschaftlichen Methoden erhobene Daten zum Gentransfer unter den Umweltbedingungen und strukturellen Voraussetzungen in der Maisproduktion in Österreich lassen angepasste Vorsorge- und Maßnahmensetzungen zum Koexistenzmanagement zu. Die Untersuchungen sollten auch die Basis für die Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedstaaten sein und zur Akzeptanz und Problemlösung grenzüberschreitender, gemeinschaftlicher Maßnahmen zur Koexistenz beitragen (z.B.: Definition eines Korridors an den Grenzen der Mitgliedstaaten).

Die Versuchsanstellung weicht von jenen in zuletzt publizierten Forschungsprojekten aus Deutschland, Spanien und auch aus Frankreich ab. Die Versuchsanstellung hat die Betrachtung praktischer Anbaubedingungen (durch die Auswahl von konkreten und typischen Anbauflächen) in Österreich zum Gegenstand und gibt Auskunft über das Auskreuzungspotential unter der Berücksichtigung der Ausgangsverunreinigung des Saatgutes unter eben diesen Bedingungen.

Die wissenschaftsbasierten Daten und Untersuchungsergebnisse sollen einen Beitrag zur Erarbeitung für ein der Koexistenz – auch unter österreichischen Bedingungen gerecht werdendes Schwellenwertregime bei Saatgut auf EU-Ebene sein (Problematik der vertikalen Koexistenz).

Die Untersuchungsergebnisse sollen eine verbesserte Datengrundlage für die besonderen Bedingungen und Maßnahmensetzungen sowie das potentielle Risiko und eine realistische Perspektive für das Koexistenzmanagement im Zusammenhang mit der biologischen Landwirtschaft liefern.

Abschlussbericht


Kurzfassung (deutsch)

Zur Umsetzung eines Koexistenzmanagements für den Fall des Einsatzes von gentechnisch veränderten Maissorten sind mehrjährige Erfahrungen aus Feldversuchen notwendig um regionale, den österreichischen Anbaubedingungen für Mais entsprechende Betrachtungen zu ermöglichen. Es wurden zwei unterschiedliche Versuchsdesigns angewandt um einerseits mit Hilfe eines phänotypischen Markersystems die Fremdbefruchtungsrate, basierend auf einer bestehenden Ausgangsverunreinigung, andererseits das maximal mögliche Auskreuzungspotential abschätzen zu können. Bei Untersuchungen an sechzehn Standorten mit Wachsmaisflächen und zwölf entfahnten Feldstücken in Nieder- und Oberösterreich, Steiermark und Burgenland wurden folgende Ergebnisse erzielt: Die unerwünschte Fremdbefruchtung nahm mit der Entfernung signifikant, ab einer Distanz von 100 m aber nur mehr wenig ab. Der Faktor Distanz bestätigte sich als jener mit dem größten Einfluss auf die Auskreuzungsrate und überdeckte im vorliegenden Versuch den Einfluss von Wind und Blühpotential. Durch die künstliche Beimpfung eines Teils des Ausgangssaatgutes wurde der Einfluss einer Ausgangsverunreinigung von 0,5 % geprüft und bei allen beimpften Flächen lag nach Anpassung der Werte auf DNA Quantifizierungsniveau die Fremdbefruchtungsrate über dem EU Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9 %. Als geeignete Methode zur Bestimmung der Mindestentfernung erweist sich - wie schon im Vorläuferprojekt 2005 - die Messung vom nächstliegenden Rand des Pollenspenderfeldes zum Mittelpunkt der Pollenempfängerfläche. Die Steuerung der Auskreuzungsrate über den Blühverlauf durch Anbauterminverzögerungen und Sortenwahl ist in unseren Klimaten und Strukturen keine geeignete Maßnahme. Die durch phänotypische Marker erzielten Ergebnisse sind nicht direkt mit DNA Quantifizierungen vergleichbar und die jeweils gewählte Methode zur Bestimmung der Auskreuzungsrate ist bei Vergleichen von Kennzeichnungsschwellenwerten für zufällige, technisch nicht vermeidbare GVO zu berücksichtigen. Die derzeit international verfügbaren Modelle zur Simulation von Koexistenzszenarien sind in erster Linie von wissenschaftlichem Wert, für die praktische Landwirtschaft jedoch noch nicht einsetzbar. Die im Entwurf zu den Bundeseinheitlichen Richtlinien des Koexistenzmanagements vorgeschlagenen Maßnahmen erscheinen als angemessen.

Berichtsdokumente/Anlagen


logo Untersuchungen zur Fremdbefruchtungsrate in Maiskulturen unter Berücksichtigung der Umwelten in den Hauptanbaugebieten Österreichs (29356.78 kB)
BerichtsautorInnen:
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns