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Nummer100191
AkronymZiegenhaltung
Titel (deutsch)Haltung von behornten und unbehornten Milchziegen in Großgruppen
Titel (englisch)Keeping dairy goats with or without horns in large groups
Projektstart19.12.2006
Projektende31.12.2010
AuftragnehmerInVeterinärmedizinische Universität Wien - Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin, Institut für Tierhaltung und Tierschutz
WissenschaftlicheR ProjektleiterInFachtierärztin TierHaltTschutz A.Univ.Prof. Dr. med.vet. Susanne Waiblinger
FinanzierungsstellenBMGF
Österreichischer Bundesverband für Schafe und Ziegen (ÖBSZ)
BMGF
BMGF
BMGF
BMGF
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
ZielstellungZiele des Projektes sind
1) die Situation hinsichtlich Verletzungen und sozialem Stress in großen Ziegenherden mit behornten Tieren und in rein unbehornten Herden (enthornt und genetisch hornlos) zu erfassen,
2) Einflussfaktoren hierauf zu identifizieren,
3) Lösungsansätze für eine tiergerechte Haltung behornter und unbehornter Ziegen unter Berücksichtigung ökonomischer Kriterien zu erarbeiten, und damit
4) Auswirkungen eines Verbotes der Enthornung von Ziegen unter Aspekten des Tierschutzes und der Ökonomie abzuschätzen und
5)konkrete Haltungsempfehlungen für BetriebsleiterInnen ziegenhaltender Betriebe für eine tiergerechte Haltung behornter und unbehornter Ziegen zu erarbeiten und
6) eine Broschüre zu erarbeiten, in der die Ergebnisse und Empfehlungen anwenderorientiert dargestellt werden.
WissenschaftszweigLAND- U. FORSTWIRTSCHAFT, VETERINÄRMEDIZIN / Viehzucht, Tierproduktion / Tierhaltung
Abschlussbericht
Kurzfassung (deutsch)
Das Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien führte von Frühjahr 2007 bis Sommer 2010 im Auftrag des BMLFUW und BMG das Projekt ‚Haltung von behornten und unbehornten Milchziegen in Großgruppen’ durch (Forschungsprojekt Nr. 100191). Es waren diverse Kooperationspartner in das Projekt eingebunden, u.a. Institut für Nutztierwissenschaften der Universität für Bodenkultur in Wien, Institut für ökologischen Landbau an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Trenthorst (Deutschland) und das Zentrum für tiergerechte Haltung: Schweine und Wiederkäuer an der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (Schweiz). Das Projekt hatte zum Ziel, wissenschaftliche Daten zu sozialem Stress und Verletzungen bei Milchziegen, sowie den Zusammenhängen mit verschiedenen Haltungsfaktoren und der Behornung in großen Milchziegenherden zu liefern. Zudem sollten die Haltung von behornten und unbehornten Ziegen hinsichtlich arbeitswirtschaftlicher Kriterien verglichen werden und schließlich Beratungs- und Entscheidungsgrundlagen bezüglich einer tiergerechten Haltung von behornten und hornlosen Milchziegen zur Verfügung gestellt werden.
Im Jahr 2007 wurden zunächst in umfangreichen Voruntersuchungen Methoden zur zuverlässigen Erhebung des Sozialverhaltens, der Mensch-Tier-Beziehung und physiologischer Stressparameter in großen Milchziegengruppen entwickelt und validiert. Daran schloss sich die Durchführung der drei Teilprojekte (TP 1-3) an.
In Teilprojekt 1 (Praxiserhebungen zu sozialem Stress und Verletzungen in großen Milchziegenherden) wurde auf 45 Milchziegenbetrieben die Situation hinsichtlich sozialem Stress und dem Auftreten von Verletzungen erhoben. Auf den Betrieben fanden umfangreiche Beobachtungen des Sozialverhaltens statt; außerdem wurden insgesamt über 6000 Ziegen auf Verletzungen am Euter untersucht, sowie bei knapp 2200 Tieren die Verletzungen am gesamten Körper, der allgemeine Gesundheitszustand und die Körperkondition beurteilt und Kotproben für die Analyse auf Kortisolmetaboliten im Kot gesammelt. Als mögliche Einflussfaktoren auf sozialen Stress und Verletzungen wurden Stallbau (Dimensionen, Zustand und Design des Stalles und der Einrichtungen), Management (z.B. Herdenmanagement wie Eingliederung von Jungziegen, Fütterungsmanagement etc.) und Mensch-Tier-Beziehung umfassend erhoben. Die Daten wurden auf Unterschiede zwischen Betrieben mit behornten und unbehornten Beständen untersucht, sowie mit Hilfe von Regressionsmodellen Risiko- und Erfolgsfaktoren identifiziert.
In Teilprojekt 2 (Experimentelle Untersuchungen zur Überprüfung von Strategien zur tiergerechten Haltung von Milchziegen) wurden wichtige Einflussfaktoren hinsichtlich der Effekte auf soziale Auseinandersetzungen, sozialen Stress und Verletzungen in insgesamt 5 verschiedenen experimentellen Studien evaluiert. Diese Faktoren waren (a) 4 verschiedene Fressgittertypen, (b) Sichtblenden am Fressgitter, (c) Eingliederungszeitpunkte von Jungziegen, (d) Umgruppierung von Altziegen und (e) Behornung.
In Teilprojekt 3 (Vergleichende arbeitswirtschaftliche und ökonomische Bewertung der Haltung behornter und unbehornter Milchziegen) erfolgte ein Vergleich der Haltung behornter Ziegen mit der Haltung unbehornter Bestände an Hand von Fragebogenerhebungen auf den Praxisbetrieben von TP 1 sowie mittels detaillierter Arbeitszeiterhebungen auf ausgewählten Betrieben und im Rahmen der Untersuchung zu Sichtblenden in TP2. Eine umfassende ökonomische Bewertung war aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit entsprechender Daten nicht möglich.
Die wichtigsten Ergebnisse sind:
Teilprojekt 1:
1. Von den 45 besuchten Betrieben hielten 15 Betriebe (33%) rein unbehornte Herden (kein einziges behorntes Tier). Bei den restlichen Betrieben handelte es sich um gemischte Bestände, wobei der Anteil behornter Tiere zwischen 1,4 und 78 % lag (Median: 48%). Auf den 15 unbehornten Betrieben lag der Anteil an Stummelhörnern zwischen 1,9 und 43% (Median: 15%).
2. Die Variation zwischen den Betrieben war sowohl hinsichtlich der tierbezogenen Parameter (Sozialverhalten, Verletzungen etc.) als auch bezüglich der Einflussfaktoren aus Stallbau und Management sehr groß.
3. Es gab sowohl behornte als auch unbehornte Problembestände und behornte wie unbehornte erfolgreiche Betriebe mit entsprechend geringem Auftreten von Verletzungen, Aggressionen oder Gesundheitsproblemen.
4. Das Risiko von Euterverletzungen war höher auf behornten Beständen, stand jedoch nicht mit dem Anteil behornter Tiere in Zusammenhang. Es handelte sich dabei vor allem um oberflächliche Verletzungen, während tiefe Veränderungen nur auf einzelnen Betrieben und in geringem Umfang vorlagen. Das unterdurchschnittliche Auftreten von Euterverletzungen in einem Teil der behornten Betriebe weist aber darauf hin, dass die Risiken auch bei Behornung beherrschbar sind.
5. Die Ursachen der Probleme liegen vor allem im Management der Betriebe und der dahinterliegenden Einstellung der Betriebsleiter, sowie in stallbaulichen Gegebenheiten. Erfolgsfaktoren zur Vermeidung von Verletzungen waren insbesondere:
- Konstanz in der Betreuung der Ziegen (weniger Melker und wenig Wechsel im Personal)
- Problembewusstsein für Erfordernisse der Ziegen und entsprechend angepasstes Management, insbesondere in Bezug auf Sozialverhalten und Fütterung (hohe Herdenstabilität durch eigene Bestandsergänzung, keine Umgruppierungen während des Jahres bzw. häufige Gaben von Grundfutter guter Qualität; geringere Kraftfuttergaben)
- ein Stall mit entsprechender Ausstattung (ausreichend Tränken, Fressgittertyp Palisade, breite Durchgänge).
Kleinere Gruppengrößen erscheinen ungünstig.
Teilprojekt 2:
6. Von den 4 Fressgittertypen Palisade Metall, Palisade Holz, Nackenriegel und Diagonalgitter sind die beiden Palisaden-Fressgitter sowohl für hornlose wie behornte Tiere zu empfehlen. Das Diagonalgitter führt zu Problemen der Ziegen beim Verlassen des Fressgitters, ist mit chronischem Stress verbunden und daher zu vermeiden. Auch ein Nackenriegel führt zu negativen Effekten.
7. Sichtblenden am Fressgitter wirken sich positiv aus.
8. Eine Eingliederung von Jungziegen nach dem Abkitzen, mit den Kitzen in der Herde mitlaufend, löst deutlich geringere Stressreaktionen aus als eine Eingliederung während der Trockenstehphase und ist damit empfehlenswert.
9. Umgruppierungen von Altziegen führen zu deutlichen, mittelfristigen Stressreaktionen und sind auf ein Minimum zu reduzieren.
10. Bei dem Vergleich von Gruppen von rein hornlosen Ziegen mit rein behornten Gruppen, die unter gleichen Bedingungen gehalten wurden, konnten keine Unterschiede in den physiologischen Stressparametern (Kortisol in der Milch, Kortisolmetaboliten im Kot, Herzfrequenzvariabilität) gefunden werden. Hornlose Gruppen zeigten auf allen Betrieben tendenziell mehr Aggressionen mit und ohne Körperkontakt als behornte Gruppen. Es war ein deutlicher Betriebseffekt gegeben.
Teilprojekt 3:
11. Es ergaben sich keine Hinweise auf signifikante arbeitswirtschaftliche Auswirkungen der Behornung.
12. Andere stallbauliche und managementbedingte Aspekte (wie zum Beispiel zurückzulegende Wegstrecken, Art der Fixiereinrichtungen) haben vermutlich größeren Einfluss.
13. Es bestehen sehr große betriebsindividuelle Unterschiede und personenbezogene Einflüsse.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der experimentellen Studien wie auch der Betriebserhebungen, dass eine tiergerechte Haltung behornter wie hornloser Ziegen möglich ist. Das Risiko von Verletzungen und sozialem Stress kann durch angepassten Stallbau, Management und Betreuung sowohl in behornten wie in hornlosen Beständen minimiert werden. Arbeitswirtschaftliche Nachteile durch die Haltung behornter Bestände waren nicht festzustellen.
Kurzfassung (englisch)
The Institute of Animal Husbandry and Animal Welfare (University of Veterinary Medicine Vienna) performed the project “Keeping dairy goats with or without horns in large groups“ (project number: 100191) from spring 2007 to summer 2010 together with different project partners (University of Natural Resources and Applied Life Sciences Vienna, the Institute of organic agriculture (Trenthorst, Germany) and the Centre for Proper Housing of Pigs and Ruminants, Agroscope Reckenholz-Tänikon (Schweiz)). The aim of the study is to gain data on the situation with respect to social stress and injuries in large dairy goat herds keeping horned or hornless animals. Additionally, factors influencing social stress and injuries (e.g. housing, management, human-animal-relationship) should be identified and solutions for keeping horned and dehorned/hornless goats should be suggested by summarizing the results and recommendations in a booklet.
In a first step a pre-study was conducted in 2007 and reliable methods for non-invasive stress measurement, for observation of social behaviour and the assessment of the human-animal relationship in large dairy goat herds were developed. Thereafter three subprojects (SP 1–3) were started.
In SP1 (on-farm study on social stress and injuries in large dairy goat herds) 45 dairy goat farms were visited. On two-day visits the social behaviour of the goats was recorded by direct observations; further more than 6000 goats in total were examined on injuries at the udder; and nearly 2200 goats on injuries at the rest of the body, the general health status and body condition as well as fecal samples collected for measuring fecal cortisol metabolites. Factors potentially influencing social stress and injuries, i.e. housing conditions (dimensions and design), management (e.g. feeding, herd management such as integration of replacement goats) and the human-animal-relationship were recorded in detail. Data were analysed with respect to differences between herds with or without horned goats. Success and risk factors were identified by regression models.
In SP 2 (experimental studies to test housing and management strategies for improved goat welfare) several important influencing factors were tested with regard to effects on social stress and injuries. The tested factors were (a) 4 types of feed barriers, (b) visual separations at the feed barrier, (c) time period of integrating replacement goats, (d) regrouping adult goats and (e) horns.
In SP3 (Comparison of economics (of labour) when keeping horned or hornless goats) farms with horned animals and farms with only hornless animals were compared by data gained from questionnaires within SP1 as well as by detailed labour time recordings on selected farms and within the experimental study on visual separations at the feed barrier. A comprehensive economic evaluation was not possible due to lack of data.
Main results of the three subprojects are:
Subproject 1:
1. Out of the 45 visited farms 15 (33%) had purely hornless herds (=hornless herds, no animal with horns). The rest had herds mixed of horned and hornless (=dehorned and genetically hornless) goats (=horned herd) with a percentage of horned animals ranging from 1.4 to 78% (median: 48%). The percentage of stump horns in the 15 hornless herds ranged from 1.9 to 43% (median: 15%).
2. There was huge variation between farms with respect to animal based parameters (social behaviour, injuries etc.) as well as with respect to potential influencing factors housing and management.
3. Both in horned or hornless herds farms with many problems as well as successful farms with low prevalence of injuries, aggression or health problems existed.
4. The risk of injuries at the udder was higher in horned herds, but no association existed with the percentage of horned animals. Those injuries were mainly superficial, while deep injuries were found only on few farms and to a very low amount. The below average occurence of udder injuries in part of the horned herds indicates that the risks are controllable also with horned animals.
5. Causes for problems mainly lie in the management and the attitudes of the farmer / herd manager behind, as well as housing design. Success factors to avoud injuries were especially:
- Consistency in people caring for the goats (few milkers, few personell change)
- Awareness for needs of goats and adjusted management, especially with regard to social behaviour and feeding (high stability of the herd by replacing goats from the own herd and by avoiding to regroupe goats throughout the year, and by frequent feeding of high quality basic food, low amount of concentrate)
- Housing avoiding competition and enabling easy avoidance (sufficient amount of drinkers, feed barrier type palisade, wide alleyways).
Smaller group sizes seem to have some negative effects.
Subproject 2:
6. The four tested feed barrier types metal palisade, wooden palisade, neck rail, diagonal fence clearly differed: the metal palisade and wooden palisade can be recommended for horned as well as hornless goats. In the diagonal fence both horned and hornless goats have more problems when exiting the feed barrier, and goats develop chronic stress symptoms when kept in pens with this feed barrier type. Neck rails have also some negative effects.
7. Visual barriers at the feed barrier have positive effects.
8. Young replacement goats integrated into the adult herd after parturition with kids present are much less stressed than goats integrated when being pregnant and the herd being in the dry period.
9. Regrouping of adult goats is stressful at least on the mid-term and should be avoided as much as possible.
10. No consistent differences in physiological stress parameters (cortisol in milk, cortisolmetabolites in feaces, heart rate variability) were found when comparing groups of horned and groups of hornless goats kept under identical conditions. Hornless groups tended to show more aggression with and without body contact on all farms. There was a clear farm effect.
Teilprojekt 3:
11. There was no evidence for a difference in economics of labour when keeping horned or hornless herds.
12. Other aspects related to housing design or management (e.g. distances that need to be covered, type of fixation in the milking parlour) are likely to have a larger influence.
13. There are large differences between farms and influences relating the people.

In summary the results of the experimental studies and of the on farm survey clearly indicate that keeping horned herds, as well as keeping hornless goats, with high welfare standard is possible. The risk of injuries and social stress can be minimized by adjusted housing, management and care. No disadvantages regarding economics of labour were found.
Berichtsdokumente/Anlagen
BerichtsautorInnen: Waiblinger, S.; Schmied-Wagner, C.; Nordmann, E.; Mersmann, D.; Szabo, S.; Graml, C.; von Hof, J.; Maschat, K.; Grubmüller, T.; Winckler, C
Download Haltung von behornten und unbehornten Milchziegen in Großgruppen (3696.26 kB)

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