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Nummer1148
Titel (deutsch)Alte Rassen kleiner Hauswiederkäuer in Salzburg am Beispiel von Pinzgau und Pongau: Vorkommen und Stand der Bedrohung, Nutzungskonflikte und alternative Nutzungsformen zur In-situ-Erhaltung
Titel (englisch)Endangered Alpine Goats and Sheep in Salzburg and their Sustainment in situ
Projektstart23.12.2000
Projektende28.08.2006
AuftragnehmerInSalzburger Landesverband für Schafe und Ziegen
WissenschaftlicheR ProjektleiterInDr. Ruth M. Wallner
FinanzierungsstellenBundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
ZielstellungErhaltung der traditionellen alpinen Haltungsform (=Sommeralpung) für die kleinen Hauswiederkäuer und damit des Erscheinungsbildes bergbäuerlicher Kulturlandschaften.
In-situ-Erhaltung alter, autochthoner Ziegen- und Schafrassen als genetische Ressource und als Beitrag zur Einkommenssicherung der Berglandwirtschaft.
Wege und Maßnahmen zur In-situ-Erhaltung alter regionaler Ziegen- und Schafrassen im Pinzgau und Pongau.
Nutzungsalternativen für Ziegenprodukte als Beitrag zur Einkommenssicherung der Berglandwirtschaft.
Lösungen für bestehende Nutzungskonflikte, insbesondere der Alpungsproblematik.
Erfassen von Entwicklungstrends hinsichtlich Tierhaltungen, Nutzungsformen usw.
Wiederbeleben alter Traditionen in Zusammenhang mit der Ziegenhaltung und deren Vermarktung.
Öffentlichkeitsarbeit zur Vergrößerung der Lobby für alte Ziegenrassen in ganz Österreich.
Vorrangige Fragestellungen:
Welche Ziegen- und Schafrassen sind heute im Pinzgau in welchem Ausmaß anzutreffen?
Warum sind gerade diese Bestände vorhanden, das heißt, welche wirtschaftlichen, soziologischen (Image) und/oder Umweltbedingungen sind dafür maßgeblich, die andernorts fehlen?
Welchen Stellenwert haben Ziegen- und Schafhaltung im allgemeinen und alte Rassen im besonderen im Traditionsbewusstsein der Bergbauern dieser Region?
Ausmaß der tatsächlichen Nutzungskonflikte auf den Ziegen- und Schafalmen?
Welche Schäden richten unbehirtete Ziegen- und Schafherden heute tatsächlich an? Welches Mindestausmaß an Betreuung ist dort erforderlich, um diese zu verhindern?
In welchem Verhältnis stehen gealpte kleine Hauswiederkäuer zu den lokalen Schalenwildarten?
Welche alternativen Haltungsformen für Ziegen und/oder Schafe sind möglich und welche Konsequenzen sind davon zu erwarten? Können alte Rassen auch unter anderen als den traditionellen Alpungsbedingungen nachhaltig erhalten werden? Welchen Beitrag können andere Einrichtungen, bspw. Tierparks, zur In-situ-Erhaltung alter Haustierrassen leisten?
Ist eine Ziegenalpung an alte Rassen gebunden, oder können auch die modernen Hochleistungsrassen (Edelziegen, Burenziege) unter den hochalpinen Weidebedingungen optimal genutzt werden?
Sind rassebedingte Unterschiede im ökologischen Verhalten der Tiere nachweisbar?
Lassen sich Auswirkungen der Alpung an morphologischen oder physiologischen (z. B. Leistung) Merkmalen nachweisen?
Welche Formen künftiger Ziegen- und Schafnutzung sind möglich und wie kann eine nachhaltige In-situ-Erhaltung dieser alten Rassen erreicht werden?
Welche diesbezüglichen Entwicklungstrends lassen sich während der Projektphase nachweisen und wie werden sie sich künftig fortsetzen?
Abschlussbericht
Kurzfassung (deutsch)
1. Mit der ab 1955 verstärkt einsetzenden Mechanisierung der Bergbauernbetriebe wurden viele Sennalmen aufgelassen, wodurch die Ziege ihre wirtschaftliche Bedeutung als Milchtier verlor. Über die darauf folgenden drei Jahrzehnte glich das reichhaltige Angebot an Zwergsträuchern und Sträuchern der nun überwiegend mit Galtvieh bestückten Almen diesen Rückschritt aus. In dieser Zeit wuchs der Einfluss der Jagd erst ganz allmählich auf ihr heutiges Niveau. Bei den Umständen in einer Phase reduzierter Wirtschaftlichkeit, als aber der genetische Wert autochthoner Rassen noch nicht erkannt war verdanken etliche aber ihr überleben.

2. Alte Lokalnamen und Ansichten auf frühen Fotos weisen darauf hin, dass Pfauenziege und Strahlenziege, neben Tauernschecken, Pinzgauer Ziege und Alpinem Steinschaf, in Salzburgs Bergen mit großer Wahrscheinlichkeit autochthon sind.

3. Ziegen benötigen als Mischfresser ein ausgewogenes Futterangebot: krautige Pflanzen, Zwergsträucher und Laubgehölze erreichen bei Bergziegen auf der Alm jeweils knapp ein Viertel der aufgenommenen Gesamtnahrung; den Rest bilden Gräser und Nadelbaumäsung zusammengenommen. Ziegen eigene sich daher besser als Schafe für die Bekämpfung von Buchswerk zur Pflege von Almen.

4. Ziegen können mit zentralen Infrastrukturen zum Ruhen und Salzlecken auch unbehirtet auf Almen heimisch gemacht werden. In extensiver Bestoßung sind sie weder Störfaktor noch Nahrungskonkurrent für die heimischen Schalenwildarten; im Gegenteil besetzen sie eine ökologische Nische, die keine der Wildarten innehat. Im Vergleich zur Koppel gedeihen Ziegen auf der Alm wesentlich besser, sie sind gesünder und widerstandfähiger.

5. Der Ertrag aus der tierischen Produktion von alten Bergziegenrassen erreicht im günstigen Fall 16 bis 25 % des Einkommens eines durchschnittlichen Bergbauernbetriebes. Einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit alter Rassen bilden öffentliche Förderungen mit Anteilen von 36 bis 48 % der Deckungsbeiträge aus der Tierproduktion. Der Versteigerungsmarkt für alte Rassen kleiner Wiederkäuer wird bis zu 55 % von Biobetrieben gebildet.

6. In-Situ-Erhaltung ist die adäquate Form, um alte Rassen kleiner Hauswiederkäuer nachhaltig zu bewahren: sie umfasst eine artgerechte Stallhaltung ebenso wie die alpine Sömmerung. Strategien zur Rettung alter Rassen als genetische Ressourcen und kulturelles Gut haben die sozialen Dimensionen der Haltungsform mit zu berücksichtigen. Öffentliche Förderungen werden auch in Hinkunft als wichtiges Standband unverzichtbar sein.
Kurzfassung (englisch)
SUMMARY

From 1955 many alpine pastures were abandoned and the importance of milk yield in autochthonous goats decreased in pursuance of the mechanization of agriculture. This economical change did not obtain to rare goat breeds as long as they were allowed to feed in their traditional environment. Over the next thirty years many alpine pastures, which were feeding habitats of goats before, became hunting-grounds with excluding goat presence. At this time, at the late eighties, policy first estimated livestock biodiversity as genetic resource and as public good. Hence subsidies were established.

Local denomination of the Grey-Black-White Mountain Gout (“Peacock” Goat) and old photos of this breed and of the Grisons Striped at alpine pastures in Salzburg refer to their autochthonous breeding in Austria.

In alpine pastures the favourite food of mountain goats in composed of Vaccinium sp., Caluna vulgaris, brushes like Alnus alnobetula, Salix sp., leafs of ash-trees (Fraxinus excelsior),but goats also need grass and herbs. Heath vegetation, brush leaves and herbs have equal share in three fourth of food; the residual part is composed of grass and conifers. According to this feature, goats may be used as biological control of undesirable brows without exterminating certain rare plant species. Grazers like sheep do not feed deciduous plants in the same quantity.

Alpine rare goat breeds are well adapted to the ecological conditions of the Alps. This study gives instructions how to get them used to a home territory without shepherd. In extensive stock domesticated goats do not disturb game nor dispute the feeding resources. The traditional summer environment is more prosperous for mountain goats than enclosed pasture.

A farmer can get from 16% to 25% of the average revenue of an alpine farm from rare goat husbandry. From subsidies he may obtain about 36% to 48% of the income from goat production. About 55% of the alpine goat farmers have sources of income from environmentally produced (“biological”) food.

The best option for breed conservation of small ruminants is in situ. Autochthonous rare breeds of goats and sheep cannot maintain without preserving their traditional environment and without the socioeconomic survival of alpine farmers. Agriculture in so called “marginal areas” is suspected to require public subsidies in future.
Berichtsdokumente/Anlagen
BerichtsautorInnen: Ruth M. Wallner
Download 1148_Kl_Wiederkauer.pdf (2222.76 kB)
Download 1148_Kl_Wiederkauer_ Farbtafeln.pdf (5297.96 kB)

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